Kleine Bergkristalle ganz groß

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photographer: Arpad Kunzfeld
subject: Bergkristalle, Burg Waldstein / rock crystals, castle Waldstein, Styria


In den Kalk- und Dolomitgesteinen des Grazer Berglandes gibt es Stellen, an denen sich Bergkristalle finden lassen. Natürlich nicht so groß, wie die Bergkristalle aus den Hohen Tauern oder Schweizer Bergen, die mit Längen von vielen Zentimeter und bis zu vielen Dezimetern Größe begeistern, dafür aber gleichermaßen schön. Die Kristalle im Bergland rund um Graz sind klein, wasserklar und oftmals leicht bräunlich eingefärbt. Ein derartiges Vorkommen gab es nahe der Burg Waldstein und die in Klüften sitzenden Kristalle erreichten Größen um die 5 mm.


Um Objekte mit einer Größe um die 5 mm, wie beispielsweise die Bergkristalle aus dem Grazer Bergland, Format füllend fotografieren zu können, reicht der Einsatz eines klassischen Makro-Objektives oftmals nicht mehr aus, da dieses mit einem Abbildungsverhältnis von 1:1 limitiert ist. Abhilfe kann hier der Einsatz von Zwischenringe schaffen, die zwischen Kamera und Objektiv eingesetzt werden und damit als „Auszugsverlängerung“ dienen. Damit lassen sich Abbildungsmaßstäbe um die 2:1 oder auch 3:1 erzielen und die kleinen Kristalle wachsen Format füllend an und bisher nicht sichtbare Strukturen und Details kommen plötzlich zum Vorschein.

 

content and image: copyright by Arpad Kunzfeld

In der Enge einer Kluft

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photographer: Arpad Kunzfeld
subject: Tropfstein-Kluft, Blei-Silber-Bergbau bei Deutsch-Feistritz / dripstone fissure, ancient led and silver mine near Deutsch-Feistritz, Styria

 

So manches altes Erzlager der Blei-Silber-Bergwerke im Bergland von Graz wird von schmalen Klüften durchzogen und ganz besonders bemerkenswerte Klüfte lassen sich in einem alten Stollen des ehemaligen Bergbaues bei Deutsch-Feistritz bewundern. Die knapp 20 cm breiten Felsspalten sind viele Meter tief und verlaufen geheimnisvoll in den Berg hinein. Obwohl keine Tropfsteinhöhle, sondern ein Bergwerksstollen, sind diese Klüfte mit Tropfsteinen besetzt, die in den engen Spalten gerade so viel Platz gefunden haben, dass sie wachsen konnten. Die leicht durchscheinenden Tropfsteine sind mit einer gelblichen Lehmschicht überzogen und leuchten wunderbar in einer von hinten platzierten Lichtquelle und die dabei entstehenden Lichtsäume lassen die Tropfsteine sich vom Hintergrund deutlich abheben.


Aber wie diese „Lichtquellen“ – die Blitze in die dunkle Kluft bringen, sie richtig zu positionieren und sie auch richtig in Bezug auf Leistung einzustellen? Da die Klüfte nirgendwo höher als 20 cm sind, die Tropfsteine im hintersten Teil der Kluft hängen und niemand in einen so engen Spalt zu kriechen vermag, kann nur mit Verlängerungsstangen gearbeitet werden, an deren Ende ein oder mehrere Systemblitze montiert werden. Es bedarf immer Einiges an Geduld, bis die Blitzleistung richtig gesetzt ist, bis der richtige Abstrahlwinkel der Reflektoren eingestellt ist und bis die richtigen Positionen gefunden sind. Hier findet kein Belichtungsmesser mehr Verwendung, hier muss probiert werden und auf Erfahrung zurückgegriffen werden. Für jede Änderung müssen die Blitze wieder herausgeholt werden und dabei verhaken sie sich manchmal an den Kluftwänden. Dann gilt es ruhig zu bleiben, nicht zu reißen, nicht zu ziehen, nicht zu drücken, sondern gleich einem Mikado-Spieler mit viel Gefühl und ruhiger Hand ein bis zu 4 Meter langes Aluminium-U-Profil mit einem Systemblitz samt Funkfernsteuerung an seinem Ende zu jonglieren. Sind die neuen Einstellungen gesetzt, dann heißt es zu hoffen die ursprünglichen Positionen wieder zu finden. Erschwerend kommt dabei noch die Dunkelheit hinzu, denn Helmlicht oder auch andere starke Lichtquellen leuchten meistens genau dort nicht hin, wo man sie benötigen würde. Viele der Felsspalten verlaufen steil nach oben, was Gelenkigkeit während der Aufnahme erfordert. Entweder am morastigen Boden liegend, mit verdrehtem Kopf kniend, oder in einer anderen ungewöhnlichen Position verharrend wird dann die Kamera für den finalen Schuss vorbereitet.

 

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Im lichtleeren Raum

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photographer: Arpad Kunzfeld
subject: Unterer Carolus-Stollen, Silber-Bergbau bei Großstübing / Lower Carolus adit, silver-mine Großstübing, Styria

 

Untertage-Fotografie bei der man sowohl hinter der Kamera, als auch vor der Kamera steht ist eine besondere Herausforderung, vor allem dann, wenn man noch gleichzeitig auch als Assistent fungiert. Oder mit anderen Worten ausgedrückt, wenn man zur Gänze allein arbeitet. Einmal muss man massenhaft Ausrüstung über lange Strecken transportieren, denn die alten Stollen sind ja nicht neben einem Parkplatz sondern sind irgendwo in steilen und bewaldeten Gräben oder anderen unzugänglichen Gebieten. Und da sind es gleich einmal 15 bis 20 “Kilo”, die am Rücken hängen – neben der Kamera, Objektive, mehrere Stative, ein Duzend Systemblitze, Massen an Akkus, Fernsteuerungen, diverse Lampen von Karbid bis LED, Höhlenbekleidung und Entfernungsmessgeräte. Zum anderen ist es dann die Enge und Dunkelheit eines mittelalterlichen Bergwerks, die eine weitere Hürde darstellt – ein schmutziges, feuchtes, aber auch inspirierendes und abenteuerliches Foto-Studio auf Zeit. Es gibt nur den mitgebrachten Strom in Form von Akkus, Wasser kann über Knie hoch stehen, Wasser tropft auch von der Decke oder Firste, Stiefel und Stativbeine versinken im Morast, ein sauberer, weißer Reflektor wird in Minuten zu einer braunen Fläche, der Licht schluckt anstelle dieses zu reflektieren. Und wenn alles Licht abgedreht ist, dann sind auch alle Photonen dahin – es herrscht absolute Dunkelheit – “lichtleerer Raum”. In dieser Umgebung gilt es ein Motiv zu erfassen, eine Kamera auszurichten, auf einen in der Dunkelheit verborgenen Punkt scharf zu stellen, Licht zu setzen und noch als Model zu agieren. Man erspart sich zwar ein Model Release unterschreiben zu lassen, dafür erfordert es Einfallsreichtum in der eigenen Position vor der Kamera. Es gilt sich imaginäre Punkte und Linien zu merken, Systemblitze mit dem Körper geschickt abzudecken, trotzdem aber so viel Licht vorbei zu lassen, dass das mittelalterliche Flair erhalten bleibt. Man darf keine Angst vor Spinnen und Fledermäusen haben, auch nicht schmutzig zu werden, man muss nur die “Gerätschaft” schützen, unnötige Objektivwechsel vermeiden und es muss Spaß machen unter diesen erschwerten Bedingungen zu arbeiten.

Im Raum Großstübing nördlich von Graz gibt es noch eine relative große Anzahl von alten Bergwerksstollen, die meistens aus der Periode der Maria-Theresianischen-Rohstofferhebung stammen. Die meisten Stollen wurden um das Jahr 1750 angeschlagen und wurden bis in das frühe 19.Jahrhundert hinein betrieben. Meistens noch von Hand vorgetrieben führten diese Stollen teilweise um die 100 Meter und tiefer in den Berg mit dem Ziel Blei und Silber abzubauen. Einer dieser Stollen ist der Untere Carolus-Stollen bei Großstübing. Nur mehr wenige kennen seine Lage – so versteckt ist er im steilen waldigen Gelände – und ganz selten, dass ihn jemand befährt. Teile stehen unter Wasser, es tropft an allen Ecken und Enden und wer hier fotografiert muss vor allem seine Ausrüstung schützen. Lichtführung ist hier das besondere Thema, die  richtige Mischung, die die Stimmung “Bergbau” vermittelt. Es ist generell feucht und Stollenwände schlucken daher massiv viel Licht, sodass herkömmliche errechnete Blendenwerte meist um 3 oder sogar 4 Werte daneben liegen. Hier gilt es Systemblitze zu koppeln oder große Blitzbirnen einzusetzten. Hier gilt es zu improvisiren, zu probieren, hier ist nichts alltäglich. Selbst das Festlegen eines Bildausschnittes ist nicht einfach Kamera ausrichten, denn es ist absolut schwarze Nacht rundherum – lichtleerer Raum.

 

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Tropfsteine stehen senkrecht

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photographer: Arpad Kunzfeld
subject: “Riese”, Lurgrotte Semriach mit CANON 17mm Tilt-Shift Optik / “The giant”, Lurgrotte Semriach using CANON 17mm Tilt-Shift lens

 

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photographer: Arpad Kunzfeld
subject: “Piniengruppe”, Lurgrotte Semriach mit CANON 24mm Tilt-Shift Optik / “Pines group”, Lurgrotte Semriach using CANON 24mm Tilt-Shift lens

 

Die Lurgrotte bei Semriach ist eine unserer schönsten steirischen Tropfsteinhöhlen. Als aktive Wasserhöhle ist sie vor allem während richtiger Hochwasserperioden nicht ungefährlich, da ein sehr großer Teil der Entwässerung des Semriacher Beckens durch das Höhlensystem läuft und plötzlich ungeheure Wassermengen durch die Höhle fließen können. Als beste Zeit für Aufnahmen sind die Trockenperioden im Winter, da zu diesen Zeiten die Höhle trocken ist und der reduzierte Führungsbetrieb auch nicht gestört wird. Im Dezember hatten wir die Möglichkeit für den Betreiber der Semriacher Lurgrotte die Highlights aus dem klassischen Führungsbereich zu fotografieren. Wie bei einer Expedition aufgeplant, mit schwerem Gepäck am Rücken, verbrachten wir viele schöne Stunden in der Höhle. Dabei galt es die teilweise beeindruckend hohen Tropfsteine, wie beispielsweise den “Riesen” zu fotografieren. Wer hier ohne Shift-Objektive ausgerüstet ist, der hat das Problem die tatsächliche Steilheit, die Mächtigkeit und die Höhe der Tropfsteine nicht abzubilden zu können, denn sie scheinen alle nach hinten zu kippen. Zwar bieten Programme wie Photoshop perspektivische Korrekturmöglichkeiten an, jedoch geht dies immer zu Lasten der Bildauflösung und für Aufnahmen, die später auf Plakaten gedruckt werden sollen, ist diese Variante eine enorme Einschränkung. Die von uns am häufigsten eingesetzten Brennweiten sind dabei 17 mm und 24 mm – beide als Tilt-Shift Optik ausgeführt.

 

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Horkbaue

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photographer: Arpad Kunzfeld
subject: Förderstrecke der Horkbaue bei Großstübing / Houling tunnel, Hork-mine, Großstübing, Styria

 

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photographer: Arpad Kunzfeld
subject: Sinterbildungen in den Horkbauen bei Großstübing / Sinter, Hork-mine, Großstübing, Styria

 

In der Umgebung von Großstübing gibt es eine Reihe von alten Bergbau-Stollen, die viele hunderte Jahre alt sind. Ein solcher Bergbau befand sich unterhalb des ehemaligen Gehöftes Hork. Sein Mundloch ist total verbrochen, jedoch gibt es noch einen versteckten gesenkartigen Zugang, der in die ehemalige Silbergrube führt. Enge alte Strecken, sodass gerade ein Mann Platz hat, dunkle Schrägschächte, seltsame Sinterbildungen und teilweise Verbrüche machen es schwer die Fotoausrüstung in diese Unterwelt zu bringen. Als Belohnung gibt es dafür außergewöhnliche Aufnahmen.

 

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Die kleine Wasserwelt

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Foto: Arpad Kunzfeld
Motiv: Badlgraben nördlich von Peggau

 

Die Kalkfelsen des Grazer Berglandes bilden Karstlandschaften mit Höhlen und Schluchten mit Wasserfällen und seltenen Pflanzen. Eine derartige Schluchtbildung, die in unmittelbarer Umgebung zu einem der größten Bergbaue des Grazer Berglandes liegt ist der Badlgraben. Kaum besucht, mit seltenen Farnen bewachsen gibt es kleine Wasserfälle und glatte Felswände.

 

content and image: copyright by Arpad Kunzfeld