Kristalle

Eisenerz-Raritäten

Von Glasköpfen

(Raritäten aus dem historischen Bergbau Waldenstein)


ArpadKunzfeld-72-1200-5944-49

photographer: Arpad Kunzfeld (2020)
subject: Glaskopf mit “Anlauffarben”, historisches Kochstollenweißerzlager, Bergbau bei Waldenstein, Kärnten


Wenn wir Steirer an Eisenbergbau denken, dann verbinden wir dies mit dem obersteirischen Ort Eisenerz und dem steirischen Erzberg. Leider nur mehr wenige kennen Orte wie das kärntnerische Hüttenberg als ein Zentrum der Eisengewinnung oder gar einen Ort wie Waldenstein in Kärnten. Gerade in dem kleinen Ort Waldenstein an der alten Packer Bundesstraße wurde über viele Jahrhunderte hinweg Eisen abgebaut und im Gegensatz zu Hüttenberg oder auch zu St.Leonhard im Lavanttal, kam der Bergbau in Waldenstein bis heute nicht zum Erliegen und die Kumpel der Kärntner Montanindustrie fördern auch heute im Jahr 2020 noch viele Tonnen von Erz an die Tagesoberfläche.

 

 

ArpadKunzfeld-72-1200-5980-82

photographer: Arpad Kunzfeld (2020)
subject: Mangan-haltiger Glaskopf, historisches Kochstollenweißerzlager, Bergbau bei Waldenstein, Kärnten


Was Sammler und Mineralogen von diesem Waldensteiner Bergbau meist kennen und lieben, sind große, goldglänzende Schwefelkieskristalle in metallisch grauem und feinblättrigem Eisenglanz eingebettet und einige kleinere Glaskopf-Bildungen aus den alten Revieren rund um Theissenegg. Eisenerz-Mineralien aus dem Revier rund um den Kochstollen und den kleinen und in Vergessenheit geratenen Bergwerksstollen westlich von Waldenstein sind nicht existent. Dass es aber auch aus diesen Revieren ausgezeichnetes mineralogisches Material zu finden gibt, hatte uns selbst überrascht, als wir uns vor vielen Jahren auf den Weg machten, um nach vergessenen den Relikten des Waldensteiner Bergbaues zu suchen.

 

ArpadKunzfeld-72-1200-6261-76

photographer: Arpad Kunzfeld (2020)
subject: Glaskopf, historisches Kochstollenweißerzlager, Bergbau bei Waldenstein, Kärnten


Was heute nur mehr ein kleines Bergwerk ist, war früher ein großes Revier mit vielen Stollen und Halden, die zeitlich bis in die Römerzeit zurückreichen. So fand man im Gemeindegebiet von Theissenegg oberhalb von Waldenstein alte Schlackenhalden, die auf Verhüttungsmethoden Rückschlüsse ziehen lassen, die zur Zeit der Römer angewandt wurden. Urkundliche Erwähnungen aus dem Jahre 1359 belegen darüber hinaus, dass in den Waldensteiner Bergbauen bereits damals wasserbetriebene Hämmer verwendet wurden, um das gewonnene Eisen zu schmieden, was auf eine gewisse Größe und Bedeutung des Bergbaus im Mittelalter schließen lässt. Die Hochblüte des Bergbaues war das 19.Jahrhundert, als es in diesem Bergbaurevier rund um Waldenstein an die 80 Personen arbeiteten und Erz aus den reichen Lagern des Wilhelmstollens bei Theissenegg und des Kochstollens westlich von Waldenstein förderten. Erst mit dem beginnenden 20.Jahrhundert verlegte sich der Bergbau vermehrt in das Ortszentrum von Waldenstein, wo auch heute noch im Pulverturmstollen und Mittelbaustollen gearbeitet wird.

 

 

content and image: copyright by Marina & Arpad Kunzfeld

Kleine Bergkristalle ganz groß

ArpadKunzfeld-300-1749-61

photographer: Arpad Kunzfeld
subject: Bergkristalle, Burg Waldstein / rock crystals, castle Waldstein, Styria


In den Kalk- und Dolomitgesteinen des Grazer Berglandes gibt es Stellen, an denen sich Bergkristalle finden lassen. Natürlich nicht so groß, wie die Bergkristalle aus den Hohen Tauern oder Schweizer Bergen, die mit Längen von vielen Zentimeter und bis zu vielen Dezimetern Größe begeistern, dafür aber gleichermaßen schön. Die Kristalle im Bergland rund um Graz sind klein, wasserklar und oftmals leicht bräunlich eingefärbt. Ein derartiges Vorkommen gab es nahe der Burg Waldstein und die in Klüften sitzenden Kristalle erreichten Größen um die 5 mm.


Um Objekte mit einer Größe um die 5 mm, wie beispielsweise die Bergkristalle aus dem Grazer Bergland, Format füllend fotografieren zu können, reicht der Einsatz eines klassischen Makro-Objektives oftmals nicht mehr aus, da dieses mit einem Abbildungsverhältnis von 1:1 limitiert ist. Abhilfe kann hier der Einsatz von Zwischenringe schaffen, die zwischen Kamera und Objektiv eingesetzt werden und damit als „Auszugsverlängerung“ dienen. Damit lassen sich Abbildungsmaßstäbe um die 2:1 oder auch 3:1 erzielen und die kleinen Kristalle wachsen Format füllend an und bisher nicht sichtbare Strukturen und Details kommen plötzlich zum Vorschein.

 

content and image: copyright by Arpad Kunzfeld

In der Enge einer Kluft

ArpadKunzfeld-300-4077-96

photographer: Arpad Kunzfeld
subject: Tropfstein-Kluft, Blei-Silber-Bergbau bei Deutsch-Feistritz / dripstone fissure, ancient led and silver mine near Deutsch-Feistritz, Styria

 

So manches altes Erzlager der Blei-Silber-Bergwerke im Bergland von Graz wird von schmalen Klüften durchzogen und ganz besonders bemerkenswerte Klüfte lassen sich in einem alten Stollen des ehemaligen Bergbaues bei Deutsch-Feistritz bewundern. Die knapp 20 cm breiten Felsspalten sind viele Meter tief und verlaufen geheimnisvoll in den Berg hinein. Obwohl keine Tropfsteinhöhle, sondern ein Bergwerksstollen, sind diese Klüfte mit Tropfsteinen besetzt, die in den engen Spalten gerade so viel Platz gefunden haben, dass sie wachsen konnten. Die leicht durchscheinenden Tropfsteine sind mit einer gelblichen Lehmschicht überzogen und leuchten wunderbar in einer von hinten platzierten Lichtquelle und die dabei entstehenden Lichtsäume lassen die Tropfsteine sich vom Hintergrund deutlich abheben.


Aber wie diese „Lichtquellen“ – die Blitze in die dunkle Kluft bringen, sie richtig zu positionieren und sie auch richtig in Bezug auf Leistung einzustellen? Da die Klüfte nirgendwo höher als 20 cm sind, die Tropfsteine im hintersten Teil der Kluft hängen und niemand in einen so engen Spalt zu kriechen vermag, kann nur mit Verlängerungsstangen gearbeitet werden, an deren Ende ein oder mehrere Systemblitze montiert werden. Es bedarf immer Einiges an Geduld, bis die Blitzleistung richtig gesetzt ist, bis der richtige Abstrahlwinkel der Reflektoren eingestellt ist und bis die richtigen Positionen gefunden sind. Hier findet kein Belichtungsmesser mehr Verwendung, hier muss probiert werden und auf Erfahrung zurückgegriffen werden. Für jede Änderung müssen die Blitze wieder herausgeholt werden und dabei verhaken sie sich manchmal an den Kluftwänden. Dann gilt es ruhig zu bleiben, nicht zu reißen, nicht zu ziehen, nicht zu drücken, sondern gleich einem Mikado-Spieler mit viel Gefühl und ruhiger Hand ein bis zu 4 Meter langes Aluminium-U-Profil mit einem Systemblitz samt Funkfernsteuerung an seinem Ende zu jonglieren. Sind die neuen Einstellungen gesetzt, dann heißt es zu hoffen die ursprünglichen Positionen wieder zu finden. Erschwerend kommt dabei noch die Dunkelheit hinzu, denn Helmlicht oder auch andere starke Lichtquellen leuchten meistens genau dort nicht hin, wo man sie benötigen würde. Viele der Felsspalten verlaufen steil nach oben, was Gelenkigkeit während der Aufnahme erfordert. Entweder am morastigen Boden liegend, mit verdrehtem Kopf kniend, oder in einer anderen ungewöhnlichen Position verharrend wird dann die Kamera für den finalen Schuss vorbereitet.

 

content and image: copyright by Arpad Kunzfeld