Arizona

Antelope Canyon X

 

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Antelope Canyon X, Page, Arizona, USA


Wenn Natur- und Landschaftsliebhaber über Slot-Canyons sprechen, assoziieren diese dies sehr oft mit dem Antelope Canyon. Wer sich allerdings etwas eingehender mit der Thematik des Antelope Canyons befasst und vielleicht auch die Möglichkeit hat und mit den lokalen Navajo-Stämmen zu sprechen, der wird bald erfahren, dass es viele „Antelope Canyons“ gibt. Der Name Antelope Canyon rührt von den einst in dieser Gegend sehr häufig vorkommenden Gabelhornantilopen oder Proghorns her, Tieren, die wir eher mit Afrika verbinden. Auch handelt es sich bei diesen Proghorns aus zoologischer Sicht gar nicht um Antelopen, sondern nur die Ähnlichkeit mit diesen hat die Weißen einst dazu veranlasst, diesen Tieren den Namen „Antelope“ zu geben. Die Proghorns lebten früher in größeren Verbänden im heutigen Gebiet der Canyons, waren eine der Nahrungsquellen der Indianer und gaben diesen Canyons auch die heute weltweit bekannten Namen. Neben dem den meisten Besuchern bekannten „Upper Antelope Canyon“ ist es der „Lower Antelope Canyon“ der die Leute anzieht. Verfolgt man das Antelope Canyon System jedoch weiter Richtung Süden, so gibt es noch 2 weitere, auch für Touristen zugängliche Canyons. Einer davon ist der Cardiac Canyon, der andere ist der Antelope Canyon X, ein Slot der absoluten Extraklasse.

 

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Antelope Canyon X, Page, Arizona, USA


Wenn man den Highway 98 von Page Richtung Süden fährt, die Zufahrten zu den beiden Antelope Canyons passiert, so sind es einige Meilen Fahrt bis man den Ausgangspunkt zum Canyon X erreicht. Verwundert, ob man wohl richtig sei, denn es fehlen hier die Massen, die man von den beiden Antelope Canyons her kennt. Und es mag dann durchaus sein, dass man der Einzige ist, der hier sein Ticket löst, Zeit findet mit den Leuten zu sprechen solange man wartet. Dann geht es mit Pick-up-Truck weiter, 10 Minuten, über die Eisenbahnlinie der Navajo Indianer hinweg und immer weiter dem Canyon entgegen. Und nachdem man den steilen Abstieg hinunter zum Eingang des Canyons hinter sich gebracht hat, taucht man in eine einsame Welt der Superlative ein.

 

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Antelope Canyon X, Page, Arizona, USA

 

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Canyon X, Page, Arizona, USA


Hat sich in den Antelope Canyons immer die Frage gestellt, welches Objektiv sei wohl das einzige und beste, mit dem man ohne wechseln zu müssen das Auslangen findet, so stellt sich hier die Frage, wie groß ist das Fassungsvermögen des Fotorucksackes und wie viel Kraft habe ich, wenn ich diesen wieder zum Pick-up-Truck tragen muss. Aber dann ist es soweit – und der indianische Führer deutet, dass es hier in den Slot geht und nach ein paar Minuten heisst es dann “selbst fotografieren” “ich komme in 2 Stunden wieder”. Entspanntes Schauen, die Natur auf sich wirken lassen, Eindrücke aufsaugen und dann diese auf den Sensor bannen – so läuft Fotografien im Canyon X. Und auch hier ist der Kugelkopf dem 3-Wege-Neiger überlegen, will man nicht mit instabilen Stativ-Positionen operieren, denn steil oben über den Köpfen erstrahlt der Canyon in seinen schönsten Farben.

 

content and image: copyright by Marina & Arpad Kunzfeld

Upper Antelope Canyon

 

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Upper Antelope Canyon, Page, Arizona, USA


Slot Canyons sind enge und tiefe Schluchten und Felsspalten von manchmal nur wenigen Metern Breite und sind vor allem aus dem amerikanischen Südwesten bekannt. Oftmals 30 und 40 Meter tief und über hunderte Meter lang, sind sie ein touristischer Anziehungspunkt für viele Besucher und so kommen diese aus allen Ländern dieser Erde in Scharen, um diese Highlights zu sehen. Die wohl bekanntesten unter den Slot-Canyons sind mit Sicherheit die Antelope Canyons bei Page in Arizona, Canyons, die um die Mittagszeit in allen erdenklichen Rot- und Gelbtönen erstrahlen.

 

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Upper Antelope Canyon, Page, Arizona, USA


Wer die chinesischen Großstädte Beijing oder Shanghai mit ihren Menschenmassen und Gedränge kennt, diese Art des Lebens liebt, der fühlt sich auch hier wohl, denn im Antelope Canyon hat man das Gefühl den Canyon mit der Hälfte der Bewohner Asiens zu teilen. So arg ist das Gedränge in der Enge um die besten Fotomotive, so groß und schnell laufen die Gruppen durch den Canyon und so undiszipliniert verhalten sich viele der Touristen, die vergessen hier nur Gast der Natur und der Navajo Indianer zu sein. Diese Entwicklung zum Massentourismus hat auch hier in den letzten Jahren Einzug gehalten. Zeiten in denen man den Antelope Canyon noch in Ruhe besuchen konnte sind heute längst vorbei.

 

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Upper Antelope Canyon, Page, Arizona, USA


Da die Slot-Canyons nach oben hin oftmals sehr eng sind, kommt auch wenig Tageslicht bis zum Grund des Canyons. Um professionelle Aufnahmen zu machen, ist dies unter diesen Umständen und wie in der Landschaftsfotografie meist praktiziert nur mit einem Stativ möglich – zu lange wären die notwendigen Belichtungszeiten, möchte man nicht die Sensorempfindlichkeit nach oben drehen und dadurch Verluste in der Bildqualität vorprogrammieren. Im „Upper“ Antelope Canyon ist dieses Fotografieren mit einem 3-Bein-Stativ heute noch möglich, im „Lower“ Canyon nur mehr mit einem Einbein-Stativ, was Qualitätseinbußen mit sich bringt. Wer weiss, wie die Zukunft aussehen wird?

 

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Upper Antelope Canyon, Page, Arizona, USA


Nimmt man an einer der geführten Foto-Touren durch den „Upper“ Canyon teil, dann werden die Teilnehmer gebeten nur ein einziges Objektiv zu verwenden und Fotorucksäcke zu Hause zu lassen. Zu Beginn nicht ganz verstanden, ist es uns heute klar, welcher Zweck damit verfolgt werden soll. Leider wird der tiefere Sinn dahinter nicht kommuniziert. Natürlich kann man ein paar Objektive mitnehmen, sie in einen kleinen Fotorucksack packen, der beim Bewegen durch den Canyon nicht stört, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Da jedoch die indianischen Führer im Canyon laufend Sand mit Schaufeln in die Höhe werfen, um die weltbekannten „sun beams“ des Antelope Canyons zu erzeugen, schwebt dermaßen viel Sand in der Luft, dass dieser schwebende Sand für den Sensor der Kamera während eines Objektiv-Wechsels nicht zuträglich ist. Das bedeutet, dass man was die Brennweite anbelangt, im Canyon einen Kompromiss eingehen muss. Ich habe alle Aufnahmen mit einem 24-105 mm Zoom-Objektiv durchgeführt und wer trotzdem Objektiv wechseln möchte oder muss, der sollte dies einfach rasch und unter vielleicht einem Tuch tun, damit „kein“ Sand oder Staub auf den Sensor gelangt. Abschließend sei noch ein Wort bezüglich des Stativ-Kopfes gesagt. Wer einen 3-Wege-Neiger auf seinem Stativ verwendet, dem sei empfohlen diesen 3-Wege-Neiger für das Fotografieren im Canyon durch einen Kugelkopf zu ersetzen. Zu oft muss die Kamera steil nach oben gerichtet werden, was mit einem 3-Wege-Neiger auf Grund seines eingeschränkten Einsatzwinkels nicht möglich ist. Obwohl hier Vieles als erschwerend erscheinen mag, das Erlebnis, die Farben, die Einmaligkeit, die “sun beams” entschädigen für alles, auch wenn man nur ein Objektiv verwendet.

 

content and image: copyright by Marina & Arpad Kunzfeld

Über dem Lake Powell

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Blick über den Lake Powell, Alstrom Point, Utah, USA


An der Grenze zwischen den beiden Bundestaaten Utah und Arizona liegt der Ferien- und Badeort Page. Bedingt durch den 1948 errichteten „Glen Canyon Damm“ entstand die heutige Ferienstadt an den Ufern des aufgestauten Colorado, wobei nicht nur das eigentliche Flussbett des Colorado Rivers gestaut wurde, sondern das Wasser flutete auch alle in den Colorado mündenden Seiten-Canyons und Täler. Dadurch entstand eine bizarre Wasser- und Fjord-Landschaft ähnlich der in Norwegen, jedoch hier in einer Wüstenumgebung und trägt den Namen Lake Powell. Wer diese Landschaft von einem erhöhten Punkt aus betrachten möchte, der sollte zum Alstrom Point fahren.

 

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Blick über den Lake Powell, Grenzland zwischen Utah und Arizona, USA


Die Fahrt zum Alstrom Point vom Highway 89 aus dauert an die 2 Stunden und führt über anfänglich gute Pisten, zum Schluss jedoch über steiniges und sehr raues Gelände. Die meisten Touristen, die sich zu diesen Aussichtspunkt wagen, sind jedoch für das Schlußgelände mit unzureichenden fahrbaren Untersätzen unterwegs. Die gemieteten SUVs und Allrad PKWs, auch wenn sie eine Höhenverstellung haben, radieren oftmals mit den Bodenplatten dahin und auch die für das Asphalt-Cruising aufgezogenen Pneus warten nur auf die „Plattfüße“. Und ein „die-letzten-Meilen-Gehen“ kommt für die Großstadt-Cowboys auch nicht in Frage – zu nahe scheint das Ziel. Wer es trotzdem schafft, der wird mit einem atemberaubenden Ausblick belohnt und das meist in fast absoluter Einsamkeit, ohne aggressiv drängelnde Asiaten, wie am Colorado Overlook oder in den Antelope Canyons.

 

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Blick über den Lake Powell, Grenzland zwischen Utah und Arizona, USA


Für Film-Liebhaber, vor allem die, die „Planet der Affen“ gesehen haben, die sollten wissen, dass sie am Alstrom Point eigentlich nicht den „Lake Powell“ vor sich haben, sondern den „Dead Lake“ und wer genau schaut, der kann vielleicht mit noch etwas Fantasie die Spitze des Raumschiffes im See erkennen und mit noch etwas mehr Fantasie die 3 Astronauten sehen, die durch die öde Landschaft der Smokey Mountains streifen.

 

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: blühender Kaktus, Smokey Mountain Road, Utah, USA


Die Fahrt zum Alstrom Point beginnt am Highway 89, der Page in Arizona mit Kanab in Utah verbindet. Gleich hinter den letzten Häusern von Big Water geht es gleich durch eine Furt, die den Paria River quert. Nach regenreicheren Jahreszeiten erwartet dort den Besucher eine eventuell schlammige Durchquerung des Flusses bevor es dann die Smokey Mountain Road entlang geht, die im Frühjahr durch eine Landschaft mit blühenden Kakteen führt.

 

content and image: copyright by Marina & Arpad Kunzfeld

Mystery Valley

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: kurz vor Sonnenuntergang im Mystery Valley, Navajo-Land, Arizona, USA


Wer auf dem Highway 163 von der Kleinstadt Kayenta in Arizona Richtung Norden fährt, erreicht nach 20 Meilen Fahrt die Grenze zu Utah und damit auch die einmalige und weltbekannte Felskulisse des Monument Valley. Nur wenige Meilen davor liegt östlich des Highways ein Gebiet, das touristisch kaum erschlossen ist – das Mystery Valley. Ebenso wie das bekannte Monument Valley im Eigentum der Navajo Indianer, darf es ausschließlich in Begleitung eines Navajo Indianers besucht werden.

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: die Landschaft des Mystery Valley, Navajo-Land, Arizona, USA

 

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: wilde Mustangs leben im Mystery Valley, Navajo-Land, Arizona, USA


 
Indianer waren früher für ihre Reitkünste bekannt, wenn sie ohne Sättel im vollem Galopp zielsicher mit Pfeil und Bogen trafen. Seitdem sie jedoch das Pferd gegen den Pick-up Truck und das Geländeauto getauscht haben, sind sie auch zu Meistern im Fahren mit geländetauglichen Fahrzeugen im Tiefsand und über steile Felsen geworden. So auch unser indianischer Führer und ebenfalls Fotograf, mit dem wir gemeinsam das Mystery Valley besuchten. Lange Tiefsandpassagen wechselten mit steilen Felsplatten, bei denen man das Gefühl hatte, dass unser Jeep Wrangler umzufallen drohte – so ging es zu verschiedenen fotografischen Motivpunkten.

 
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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Ruinen Anasazi-Indianer, Mystery Valley, Navajo-Land, Arizona, USA

 

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Felsen im Licht der untergehenden Sonne, Mystery Valley, Navajo-Land, Arizona, USA


Ist der Besucherandrang im Monument Valley auf einem „Maximum“, so liegt Einsamkeit über dem Mystery Valley, obwohl dieses fast auf Sichtweite zum benachbarten Monument Valley liegt. Weite Ebenen mit steilen in der Nachmittagssonne leuchtenden Felsformationen, Felsentore aller Art und eine Reihe von Ruinen aus der Zeit der Besiedelung durch die Anasazi Indianer sind die Landschaft prägenden Highlights.

 

content and image: copyright by Marina & Arpad Kunzfeld

Nächtliches Monument Valley

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Milchstraße über dem Monument Valley, Navajo-Land, Grenzland zwischen Arizona und Utah, USA


Es ist um Mitternacht herum, als wir mit unserem indianischen Führer und ebenfalls Fotografen entlang der Grenze zwischen Utah und Arizona durch die stockdunkle Nacht fahren. Wir als Europäer wären hier ohne GPS-Unterstützung vollkommen verloren, so wenig lässt sich rundherum erkennen, so schnell würden wir in eine komplett falsche Richtung fahren. Als wir dann eine weite Ebene erreichen, können wir vor uns am Horizont die Silhouette verschiedener Felstürme erkennen. Wir bleiben stehen, bringen uns in Position, denn am südöstlichen Horizont ist bereits die Milchstraße über den Felstürmen rund um den „Totempfahl“ zu erkennen – ein einmaliges Schauspiel – eine einzigartige Gegend, tief im Land der Navajo-Indianer.

 
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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Sternenhimmel über dem “ear of the wind”, Monument Valley, Navajo-Land, südöstliches Utah, USA


An dieser Stelle eine kleine heitere Geschichte, die sich während der Vorbereitung für unsere Sternenfotografie ergab:
Möchte man die Milchstraße fotografieren, so ist es notwendig das Objektiv auch „unendlich“ zu fokussieren, denn die Sterne sind ja bekanntlich unendlich weit weg und wenn man nicht richtig fokussiert, so würden die Sterne auf dem Foto unscharf sein. Nur nachdem es bekanntlich in der Nacht dunkel ist, kann ein Kamera-Autofokus hier leider nichts ausrichten und der Fotograf muss dieses Fokussieren selbst und manuell durchführen. Unter normalen Bedingungen ja ganz leicht. Allerdings in der pechschwarzen Nacht des Monument Valley ist dies nicht so leicht, denn dort ist es so wie in einer Schauhöhle ohne Licht – man sieht einfach nichts und auf die kleinen Pünktchen am Himmel zu fokussieren ist fast unmöglich. Aus diesem Grund erledigt man diese Arbeit einfach am Tag und klebt den Einstellring des Objektivs mit einem Klebeband einfach fest. So machen es viele Astrofotografen und so war unser Plan.
Zu diesem Zweck parkten wir unseren Jeep entlang des viel befahrenen „Scenic Drives“ im Monument Valley, packten Kamera und Stativ aus dem Auto, stellten diese auf und suchten uns ein paar weit entfernte, unscheinbare Felsen als Ziel, um die „Unendlich-Einstellung“ vorzunehmen. Als wir so 1 oder 2 Minuten standen, kam plötzlich ein Auto mit Touristen, die Insassen sprangen heraus, zückten ihre Smartphones und fotografierten ebenfalls in die Richtung, in die unsere Kameras ausgerichtet waren. Das Schauspiel wieder holte sich wieder und wieder und kurzzeitig standen 10 Leute um uns herum und schossen Fotos mit ihren Smartphones und Tablets von den weit entfernten unscheinbaren Felsen.
Wir sprachen die Leute daraufhin an, warum sie auch dorthin fotografieren, denn dort sei ja gar nichts und wir erhielten als Antwort, dass wenn irgendwo in der Landschaft ein Fotograf stünde, der mit seiner Kamera und einem Stativ fotografiert, dann muss sich dort auch ein Motiv befinden, dass andere Menschen vielleicht nur nicht sehen – und so ist es sicher auch hier. Und als wir zu verstehen gaben, dass wir nur unsere Objektive „kalibrieren“, dann hieß es, dass man das nicht glauben kann, wir wollen nur nicht haben, dass sie hier fotografieren und wir wollen die Motive für uns alleine haben. Und auch auf die Frage, ob sie denn dort außer den unscheinbaren Felsen etwas sehen, dass es Wert wäre fotografiert zu werden hieß es, dass da sicher etwas sein muss, denn sonst wären wir ja nicht hier. Zu Hause werde man die Bilder genau analysieren. Wir wünschten jedenfalls viel Vergnügen.

 

content and image: copyright by Marina & Arpad Kunzfeld

White Pocket

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: White Pocket, Coyote Buttes South, Paria Rimrocks, Arizona, USA


Das Gebiet der Paria Rimrocks mit all seinen Naturschönheiten erstreckt sich über eine Fläche von mehr als 2000 Quadratkilomentern und mitten durch dieses Gebiet verläuft die Grenze der beiden Bundesstaaten Utah und Arizona. Neben dem weltweit bekannten landschaftlichen Highlight der „Wave“ gibt es noch eine Reihe von anderen gleichermaßen schönen, aber nicht so bekannten Felsformationen. In unserem letzten Newsletter haben wir vom Wire Pass Slot Canyon berichtet – jetzt möchten wir ein südlich davon gelegenes Gebiet vorstellen – die White Pocket – eine Felsformation, die man direkt mit dem Auto erreichen kann – aber wie?

 

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: White Pocket, Coyote Buttes South, Paria Rimrocks, Arizona, USA


In der Sandsteinformation der White Pocket dominieren die Farben Weiß, etwas Gelb und Rot und die zerfurchte Oberflächenstruktur erinnert an die Oberfläche eines Gehirnes, was derartigen Felsstrukturen auch den Namen „Brainrocks“ gegeben hat. Wir kennen diese “Brainrocks” aus dem Gebiet der Wave. Dort sind sie gelblich – hier sind sie überwältigend und die Mischung aus den einzelnen Farben, manchmal unterbrochen durch Sand, dann wieder dazwischen das Grün einzelner Pflanzen macht dieses Gebiet so einzigartig.

 

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: White Pocket, Coyote Buttes South, Paria Rimrocks, Arizona, USA

 
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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: White Pocket, Coyote Buttes South, Paria Rimrocks, Arizona, USA


Die Tierwelt in dieser Ecke Utahs ist meist unsichtbar – zu heiß ist es an den Tagen und die Tiere, meist Reptilien suchen tagsüber schützende schattige Plätze auf. Auf unseren Reisen in den Jahren davor hatten wir jedoch mehrfach die Chance Wüstenschildkröten und auch Klapperschlangen von Angesicht zu Angesicht zu treffen, wobei das erwartende aufeinander Treffen mit den mit einer Hornrassel ausgestatteten Reptilien immer ein Erlebnis ist. Meist registrieren die Tiere unser Herannahen weitaus früher als wir Menschen und Warnen mit ihren unverwechselbaren Rasseln bereits von weitem. Diesmal waren es neben Raben und auch Truthahngeiern vor allem kleine Eidechsen, die auf den Sandsteinfluchten auf der Suche nach etwas Fressbaren herumlaufen.

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Eidechse, White Pocket, Coyote Buttes South, Paria Rimrocks, Arizona, USA


Die White Pocket ist was die Besucherzahlen anbelangt nur sehr wenig besucht und der Grund dafür liegt in der „Erreichbarkeit“, denn man kann zwar fahren, es gibt jedoch keine normale Straße, geschweige eine gewartete oder gar geteerte Piste. Um dorthin zu gelangen geht es viele Kilometer durch tiefen Sand, was bedeutet, dass der normale USA Tourist, der pro Tag mindestens 2 Nationalparks besucht, auf Grund seines fahrbaren Untersatzes diese Felsformationen nur in Form von Bildern „besichtigen“ kann. Es sind bis zu 40 cm tiefer Sand in den Fahrrinnen, was Fahrzeuge mit großer Bodenfreiheit bedarf, damit diese nicht in der Mitte auf der Bodenplatte aufsitzen und es benötigt ein wenig an Geschick in der Art des Fahrens. Es gilt in den Tiefsand-Passagen nicht anzuhalten, das Automatikgetriebe im ersten oder maximal zweiten Gang zu sperren und ordentlich Gas zu geben und die Anti-Schlupfkontrolle zu deaktivieren. Den Allrad muss man nicht zwingend zuschalten. Tiefergelegte Fahrzeuge, mögen sie auch noch so viel Leistung unter der Haube haben oder die klassischen Familien-Vans und die normalen SUVs sind damit für diese Fahrt ausgeschlossen. Die Mutigen, die es trotzdem wagen, bleiben im tiefen Sand hoffnungslos stecken und ein Abschleppen ist in dieser Gegend nicht ganz billig und erfordert tagelange Wartezeiten.

 

 

content and image: copyright by Marina & Arpad Kunzfeld

The Wave – eine einzigartige Landschaft im Südwesten der USA

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photographer: Marina Kunzfeld
subject: “The Wave”, Coyote Buttes North, Paria Canyon, Arizona, USA


Ziemlich genau an der Grenze zwischen den beiden US-Bundesstaaten Utah und Arizona liegt auf dem Colorado Plateau eine atemberaubende Felsformation, die unter dem Namen “Wave” bekannt geworden ist. Bis 1995 quasi unentdeckt, war es der deutsche Naturfilmer Gogol Lobmayr, der in seinem Naturfilm “Fascinating Nature” erstmals die “Wave” filmte und damit die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf diese Felsformation lenkte. Heute mehr als 20 Jahre danach ist das Interesse dermaßen hoch, dass die amerikanischen Behörden sich gezwungen sahen, den Zugang zur Wave massiv zu beschränken. So wird es nur 20 Personen pro Tag gestattet diesen Teil des Colorado Plateaus zu besuchen und die Vergabe für ein Permit erfolgt dazu über ein Lotterie-System, zu dem sich teilweise bis zu 4000 Personen pro Tag anmelden. Wir von book-and-picture hatten bereits bei unserem ersten Versuch das Glück 2 der begehrten Permits zu erhalten.

  
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photographer: Marina Kunzfeld
subject: photographing araound the “The Wave”, Coyote Buttes North, Paria Canyon, Arizona, USA

 
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photographer: Arpad Kunzfeld
subject: Access to “The Wave”, Coyote Buttes North, Paria Canyon, Arizona, USA


Bei der Felsformation der Wave handelt es sich um versteinerte Sanddünen aus der Zeit des Jura, die sich über Jahre von Millionen verfestigt hatten und damit zu Sandstein wurden. Die kontinuierliche Erosion durch Wind und Wetter jedoch, arbeitete eine riesige Senke in die, aus rötlichem Navajo-Sandstein bestehende ehemalige Düne, die dem Gestein heute das Aussehen einer Welle gibt. Diese Felsen leuchten dazu noch in den verschiedensten Rot-, Orange- und Brauntönen und sind von feinen hellen Schichten und Schnüren durchzogen. Diese feinen Strukturen verstärken in der ausgewaschenen Mulde das Aussehen der Welle und daher ist diese Formation ein so begehrtes und einzigartiges Motiv für Fotografen jeglicher Art. Von Narzissten bewaffnet mit Handys, die ihre Selfies schießen bis hin zu mit schwerem Gerät ausgerüstete Landschaftsfotografen sind alle versammelt. Und dabei wandert man stundenlang durch die absolute Wildnis, ohne Handynetz, ohne Schatten spendende Bäume, bei Temperaturen jenseits der 30°, weglos und quer-fels-ein – fast untypisch für die Zeit von heute mit ihrer Schnelligkeit, aber auch Oberflächlichkeit. Man trifft Menschen aus allen Regionen der Erde, viele hetzend, einige wenige beschaulich und die Landschaft aufsaugend.

  
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photographer: Marina Kunzfeld
subject: Taking pictures, “The Wave”, Coyote Buttes North, Paria Canyon, Arizona, USA


  

Wir sind noch vor Sonnenaufgang los marschiert bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, immer mit gleichmäßiger Geschwindigkeit, Felsflanken überwindend, felsige Hochplateaus lange querend und zu aller Letzt über eine steile Sanddüne empor bis zu den Felsen der Wave. Es gibt keinen ausgetreten Weg, keine Markierungen, nur ein paar Fotografien, die die Ranger verteilen. Der Weg verlangt Orientierungssinn, oder Vertrauen in die erste Gruppe am Tag, der alle hinterher laufen. So waren es bei uns 4 Engländer, die uns folgten, dahinter 14 weitere Aspiranten, die die 20 vervollständigten. Und wenn man dann nach 2 Stunden die ersten Felsen erreicht, dann ist die Spannung und die Vorfreude am Maximum. Dann dauert es allerdings noch einige Minuten, denn die „Wave“ gilt es zu suchen – denn man sieht sie nicht gleich. Erst nachdem man die Senken der Mulde durchschritten hat und seinen Blick nach hinten wendet, dann ist sie da und in voller Pracht.

  
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photographer: Arpad Kunzfeld
subject: “The Wave”, Coyote Buttes North, Paria Canyon, Arizona, USA

 

Das Gebiet rund um die Wave hat aber weitaus mehr zu bieten, als nur die Formation der Wave selbst. Wer sich aufmacht die Umgebung zu erkunden, der wird Felsen entdecken, die der Oberfläche eines Gehirns gleichen, der wird kleine Teiche und Tümpel finden, der wird Eindrücke sammeln, die ihresgleichen suchen. Der wird erleben, wenn die Nachmittagssonne alles in ein Goldgelb und Orange taucht, der wird die absolute Stille erleben, denn die anderen 18 Besucher sind oftmals bereits am Weg zurück und der wird Bilder mit nach Hause nehmen, seien sie nur im Kopf oder auf der Speicherkarte der Kamera zwischengelagert.

  
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photographer: Arpad Kunzfeld
subject: Brainrocks, “The Wave”, Coyote Buttes North, Paria Canyon, Arizona, USA

  

Heute gibt bereits jede Menge an Literatur über die Wave und vor allem über den Weg dorthin. Wer die Absicht hat die Wave zu besuchen, der tut gut daran diese Dinge vorab zu lesen. Der möge sich aber auch im Klaren sein, dass er unendliche Wildnis betritt, und die nächste menschliche Ansiedlung viele Stunden, wenn nicht sogar Tage entfernt ist und ein kleiner Unfall, bei dem man sich nur den Fuß verstaucht bereits große Auswirkungen haben kann. Man sollte sich auch im Klaren sein, dass man nicht nur um die Ecke geht, wie in den Supermarkt, sondern in eine lebensfeindliche Region eintaucht, die teilweise alpine Erfahrung voraussetzt, die eines geschulten Orientierungssinnes bedarf, auch wenn heute GPS wunderbar unterstützen kann und die eine exakte Planung inklusive Outdoor-Zeitmanagement notwendig macht. Menschen, die diese Fähigkeiten und diese Erfahrung nicht haben, die glauben „es wird schon irgendwie gehen“ denen sei geraten andere großartige Orte zu besuchen, derer es viele in dieser Gegend gibt, denn sie bringen sich und andere in Lebensgefahr.

  
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photographer: Marina Kunzfeld
subject: Landscape around “The Wave”, Coyote Buttes North, Paria Canyon, Arizona, USA

 

Zu aller Letzt noch ein paar Worte über Zeiten, Orte und Permits. Für einen Besuch der Wave gibt es nur eine Zeit, die nicht zu empfehlen ist und das sind die heißen Sommermonate mit Temperaturen jenseits der 30° oder 35° Celsius. Und als Ausgangsort ist die Kleinstadt Kanab im Bundesstaat Utah sicher die günstigste Variante, denn in Kanab befindet sich das Visitor-Center und dort werden auch die Permits verlost und ausgegeben. Von dort sind es dann knapp über 70 Kilometer bis auf den Wire-Pass, dem Ausgangspunkt für eine Tour zur Wave, wobei die letzten 15 Kilometer über eine teilweise lehmige Piste führen, die, wenn es regnet unpassierbar wird. Auf dem Wire-Pass gibt es dann einen eigenen Parkplatz. Alle dort abgestellten Fahrzeuge müssen registriert werden, egal wohin der Wanderer sich begibt. Besucher der Wave haben dazu ein eigenes Parkticket, das sie zusammen mit dem Wave-Permit erhalten haben und sind angewiesen, dieses Ticket sichtbar im Fahrzeug zu hinterlassen. Alle anderen, die beispielsweise in den Wire-Pass Slot-Canyon oder in die Buckskin Gulch wollen, füllen ein eigenes Parkticket aus, das sie am Parkplatz erhalten. Zusätzlich liegt ein „trail head registration book“ auf, in das sich jeder mit Namen, Ziel und Fahrzeug-Kennzeichen einträgt, damit die Ranger wissen, wer wohin unterwegs ist. Ein Freund von uns ist Ranger und überprüft diese Angaben und überwacht das Gebiet. Meist irgendwo versteckt, nicht nur mit dem Fernglas bewaffnet, überwachen er oder seine Kollegen die Gegend, denn das Gelände ist extrem weit einsehbar und jeder Besucher muss sein weit leuchtendes Permit deutlich sichtbar außen auf dem Rucksack tragen. Nur so kann im Notfall geholfen werden und Nichtzahler abgefangen werden, wobei der nachträglich zu zahlende Preis des Permits dann von ursprünglich ein paar Dollar auf ein paar Tausend Dollar ansteigt.

 

content and image: copyright by Marina and Arpad Kunzfeld, book-and-picture