Bergbau

Salz im Death Valley

ArpadKunzfeld-72-1200-7209-11

photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Reste des ehemaligen Salzabbaus im Saline Valley, Death Valley National Park, Kalifornien


Der fast 15.000 Quadratkilometer große Death Valley National Park besteht aus einer Reihe von Nord Süd laufender tiefer Taleinschnitte, die durch Gebirgsketten mit Höhen weit über 3000 Meter voneinander getrennt sind. Von diesen Tälern sind heute lediglich das eigentlich Death Valley selbst und das davon westlich liegende Panamint Valley durch asphaltierte Straßen für Otto-Normalverbraucher erschlossen. Alle weiteren Täler sind wüstenartige Einöde und erfordern geländetaugliche Fahrzeuge, sowie auch die notwendigen fahrtechnischen Fähigkeiten, um erkundet zu werden. So auch das Saline Valley, ein sehr einsames und fast 100 Kilometer langes Nord-Süd-Seitental, das für fast 1000 Jahre die Heimat der Timbisha Shoshonen war. Dieser Indianerstamm wurde in den 1930er-Jahren in den nahen Ort Darwin umgesiedelt, als viele andere Stämme auch ihrer Heimat beraubt wurden. Dieses Saline Valley war reich an Erzvorkommen, aber auch an Borax und Salz, wobei der Salzabbau einer der bemerkenswertesten Bergbaue überhaupt war. Keine Stollen, keine Halden, keine Steinbrüche, sondern eine endlos weiße Ebene, eingebettet in ein viele Kilometer breites einsames Tal.

 

MarinaKunzfeld-72-1200-7238

photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Reste des Salzkastens, Salzabbau im Saline Valley, Death Valley National Park, Kalifornien


Wer heute zu diesen Salzseen gelangen möchte, um die Reste der ehemaligen Salzgewinnung und die Relikte der Seilbahnanlage zu sehen, der darf sich auf eine raue und lange Fahrt abseits des Asphalts einstellen. Nichts für Wohnmobile, „tiefergelegte“ oder auch für SUVs, da bei diesen die standardmäßigen Reifen die Fahrt nicht überstehen würden. 2 Stunden Schütteln auf Grund der steinigen Piste und das Überqueren des in der kalten Jahreszeit teilweise vereisten South Pass sind durchzustehen, ehe man in ein weites, absolut einsames Tal mit riesigen Salzseen gelangt. Im Sommer brütende Hitze, kein erfrischender Quell, sondern nur salziges Wasser. Das war das Szenario der einstigen Arbeitsbedingungen und so sind auch heute noch die äußeren Bedingungen, gleich wie vor 100 Jahren.

 

ArpadKunzfeld-72-1200-7198-00

photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Auflagepunkte der ehemaligen Holzstege, Salzabbau im Saline Valley, Death Valley National Park, Kalifornien


Das, was heute von der einstigen Salzgewinnung übrig geblieben ist, sind die ehemaligen Auflagepunkte der hölzernen Stege, auf denen sich Arbeiter zwischen den einzelnen Abbaufeldern bewegen konnten, ohne durch das kostbare Salz marschieren zu müssen, sowie einige der Stützen der ehemaligen “Salzseilbahn”, die das Salz über die Berge zur Eisenbahn-Verladung bei Swansea gebracht hatte. Leider haben Vandalen aus Zerstörungswut viele der hölzernen Seilbahnstützen zerstört, indem sie diese montan-historischen Artefakte einfach angezündet hatten. Die ehemalige Salzseilbahn nahm 1914 ihre Arbeit auf und wurde mit mehreren Unterbrechungen bis in das Jahr 1936 betrieben. Zur Zeit des Vollbetriebs hingen bis zu 286 Salzgondeln an den Seilen und lieferten 20 Tonnen Salz in der Stunde.

 

 

content and image: copyright by Marina & Arpad Kunzfeld

Skidoo – das Gold-Bergwerk

ArpadKunzfeld-72-1200-7057-59

photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Skidoo Mine, Panamint Mountain Range, Death Valley National Park, Kalifornien


Im Januar 1906 entdeckten 2 Goldsucher ein Goldvorkommen in der sogenannten Panamint Mountain Range, einer Gebirgskette, die sich an der Westflanke des Death Valley erhebt. Innerhalb eines Jahres entwickelte sich aus dem einfachen, aber Erz-reichen Bergwerk eine riesige Bergbaustadt, in der mehr als 400 Menschen lebten und arbeiteten. Ursprünglich unter dem Namen „Golden Eagle Claim“ geführt, wurde der Name in Skidoo geändert. Skidoo war der Bergbau selbst, Skidoo war die Stadt, Skidoo war das Postamt, Skidoo war einfach alles. 4 Saloons, 3 Restaurants, General Store, Bäckerei, Fleischmarkt, Friseure, Wäscherei, eine eigene Zeitung, eine eigene Bank und jede Menge anderes Geschäft wurden betrieben. Neben dem eigentlichen Bergwerk war die Aufbereitungsanlage für das Florieren von Skidoo von entscheidender Bedeutung, denn diese zerkleinerte das Erz und bereitete dieses für die Schmelzöfen vor. Da diese Gesteinsmühle mit Wasserkraft betrieben wurde, es jedoch keine ausreichenden Quellen in der näheren Umgebung gab, bauten die Betreiber von Skidoo sogar eine eigene Wasserleitung. Diese brachte das Wasser aus dem 40 km entfernten Birch Springs. Heute ist die Gesteinsmühle das Einzige, was nach dem Niedergang von Skidoo im Jahr 1917 übrig geblieben ist. Die Wasser-Pipeline wurde abgebaut, verkauft und im nahen Trona wieder aufgebaut. Die Gebäude der einstigen Stadt standen noch viele Jahre, verschwanden dann aber in den 70er Jahren. Man vermutet, dass sie von der Nationalparkverwaltung des Death Valley National Parks abgerissen wurden.

 

ArpadKunzfeld-72-1200-6863-65

photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Gesteinsmühle (stamp mill / Pochwerk), Skidoo, Panamint Mountain Range, Death Valley National Park, Kalifornien

 

ArpadKunzfeld-72-1200-6885-89

photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Gesteinsmühlen-Nocken-Antrieb, Skidoo, Panamint Mountain Range, Death Valley National Park, Kalifornien


Von besonderem Interesse sind bei vielen Besuchern dieser alten Bergwerke die Gesteinsmühlen oder „stamp mills“. Bei uns unter dem Begriff Pochwerk oder Stampfmühle bekannt, dienten sie zur Zerkleinerung des aus dem Berg gewonnen Roherzes oder auch als Hauwerk bezeichnet. Dieses wurde meist mit Grubenhunten gefördert und in einen Erzkasten oder Erzbunker (ore bin) gekippt, der sich direkt über dem Pochwerk befand. Das Pochwerk bestand aus mehreren schweren Stempeln, die mit Hilfe einer Nockenwelle angehoben wurden und anschliessend auf das darunter liegende Erz herunterfielen. Die Stempel hatten unten dort wo sie auf das Erz trafen Verstärkungen, die sogenannten Pochschuhe und das Erz selbst lag auf einer ebenfalls harten und festen Unterlage, der Pochsohle. Bei vielen der „stamp mills“ im Death Valley sind nur mehr die hölzernen Gerüste vorhanden, die sogenannten Pochstühle, in denen sich die Pochstempel bewegten. Der Rest wurde oftmals abgebaut, um an einem anderem Ort wieder Verwendung zu finden, oder sind dem Zahn der Zeit oder dem Vandalismus zum Opfer gefallen.

 

MarinaKunzfeld-72-1200-7125

photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Gesteinsmühle (Ansicht 2018), Skidoo, Panamint Mountain Range, Death Valley National Park, Kalifornien

 

MarinaKunzfeld-72-120-7164

photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Relikte aus der Betriebszeit, Skidoo, Panamint Mountain Range, Death Valley National Park, Kalifornien


Die Skidoo Stamp Mill verfügt über 15 Pochstempel und ist heute noch in einem guten Zustand, wenngleich nicht mehr einsatzfähig. Die Außen-Fassade der einstigen Mühle ist heute fast zur Gänze verschwunden, die Erzkästen, die Pochstempel und auch die Cyanidbehälter, in denen das Gold auf chemischen Wege aus dem Gestein gezogen wurde, sind noch vorhanden, jedoch nagt an ihnen der Zahn der Zeit. Verschwunden ist das Turbinenrad, das die Mühle antrieb, genauso wie viele andere Dinge.

 

 

content and image: copyright by Marina & Arpad Kunzfeld

Harrisburg – wie alles begann

ArpadKunzfeld-72-1200-6659-62

photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Harrisburg “Ghosttown”, Panamint Mountain Range, Death Valley National Park, Kalifornien


Harrisburg ist eine der kleinen Geisterstädte im heutigen Death Valley National Park, die auf den an vielen Orten betriebenen Goldbergbau zurück gehen, der im frühen 20.Jahrhundert in dieser Gegend betrieben wurde. Heute fast zur Gänze auf asphaltierten Straßen erreichbar, beherbergte die Ansiedlung während ihrer Blütezeit an die 300 Personen. Im Gegensatz zum nahen Skidoo war Harrisburg jedoch immer nur eine reine aber große Zeltstadt, sieht man von den aus Holz gezimmerten Gebäuden der beiden Gründer von Harrisburg ab. Harrisburg war der Ort, von dem aus Gold aus Bergwerken mit Namen wie „Cashier mine“, „Eureka Mine“ und „Napoleon mine“ gefördert wurde, um anschließend in der nahen „Cashier mill“, einer Gesteinsmühle aufbereitet zu werden.

MarinaKunzfeld-72-1200-6982

photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Harrisburg “Ghosttown”, Panamint Mountain Range, Death Valley National Park, Kalifornien

 

ArpadKunzfeld-72-1200-4246-49

photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Eureka Mine, Harrisburg, Panamint Mountain Range, Death Valley National Park, Kalifornien

 

ArpadKunzfeld-72-1200-6782-84

photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Cashier Mill, Harrisburg, Panamint Mountain Range, Death Valley National Park, Kalifornien


Harrisburg präsentiert sich heute in einem ärmlichen Zustand und es scheint, dass von Seiten der Parkverwaltung auch keine erhaltungs-fördernden Maßnahmen durchgeführt werden. Sowohl das ehemalige Wohnhaus von Peter Aguereberry, einem der Entdecker dieser Goldvorkommen, als auch das daneben befindliche ehemalige Gästehaus werden irgendwann in sich zusammenbrechen, so die Gebäude nicht bereits zuvor dem Vandalismus der Ich-Gesellschaft zum Opfer gefallen sind, die aus reinem „Fun“ Löcher in die Fassade rissen. Ganz besonders deutlich wird dies beim 200 Meter von den Häusern liegenden Autowrack, das aggressiven Touristen als Zielscheibe für ihre Schießübungen dient, oder als cooler Tanzboden, um das Fahrzeugdach einzudrücken.

ArpadKunzfeld-72-1200-6716

photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Wrack eines Buick Roadmaster (Baujahr 1948), Harrisburg, Panamint Mountain Range, Death Valley National Park, Kalifornien

 

content and image: copyright by Marina & Arpad Kunzfeld

Leadfield Ghost Town

MarinaKunzfeld-72-1200-6918

photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Gebäudereste, “March Storm Number 1 Claim”, Leadfield, Titus Canyon, Death Valley


1905 entdeckten Erzsucher Goldvorkommen im Titus Canyon, einer tief eingeschnittenen Seiten-Schlucht des Death Valley. Nur schwer zugänglich, musste zuerst eine Strasse durch den Canyon gebaut werden, um Gerätschaft aus dem Death Valley zum 22 Meilen entfernten Bergbau bringen zu können und später das gewonnene Erz den Schmelzöfen zuliefern zu können. Durch den Bergbau entstand eine kleine Stadt, in der im Jahr 1926 mehr als 300 Personen lebten.


Der Bergbau mit seinen mehr als 10 unterschiedlichen Claims, wie auch die daneben entstandene Stadt waren nicht von langer Dauer. Bereits 1927 wurde Leadfield wieder verlassen und dem Verfall Preis gegeben. Die meisten Gebäude verrotteten und fielen in sich zusammen, lediglich das ehemalige Postamt, einige wenige andere Gebäude und die Bergwerksstollen haben bis heute dem Zahn der Zeit Stand gehalten.

 

ArpadKunzfeld-72-1200-6538-40

photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Haupt-Stollen des “March Storm Number 2 Claim”, Leadfield, Titus Canyon, Death Valley


Fledermaus-Schutz ist ein großes Thema im Death Valley National Park und so versucht die Nationalpark-Verwaltung durch spezielle Eisengitter-Konstruktionen Touristen vom Besuch der alten Stollen während der Wintermonate abzuhalten. Die Gitterstäbe sind so konstruiert, dass lediglich Fledermäuse hindurch kommen, größeren Tieren bis hin zum Menschen jedoch ein Zutritt nicht möglich gemacht werden kann. Diese Gitter werden nach der kalten Jahreszeit entfernt. So ist beispielsweise der Eingang zur Hauptstrecke des March Storm 2 Claims wurde durch ein Rohr mit fast 1,5 Metern Durchmesser abgesichert, um dem Verbrechen des Stollenmundloches entgegen halten zu können. Durch dieses Rohr und seine Gitterstäbe haben wir hindurch fotografiert.

 

ArpadKunzfeld-72-1200-6581

photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Halde,”March Storm Number 2 Claim”, Leadfield, Titus Canyon, Death Valley

 

ArpadKunzfeld-72-1200-6533-34

photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: ehemalige Schmiede, “March Storm Number 2 Claim”, Leadfield, Titus Canyon, Death Valley


Teilweise große graue Halden heben sich von der umgebenden Landschaft mit ihren gelbfarbenen Sträuchern ab. Sie zeigen ein Bild des Kontrastes und wer alte Bergwerkshalden in unserer steirischen Heimat kennt, der weiß, wie rasch diese wieder mit einer dicken Humusschicht überzogen sind. Hier in diese trockenen Einöde ist dies nicht der Fall, hier ist Staub, ein paar Dornbüsche und allerlei nicht sichtbares Getier.
Und wer annimmt, dass auf den Halden noch Erzbrocken liegen, sich farbenfrohe farbliche Ausblühungen gebildet haben, der irrt gewaltig. Kein Stäubchen Roherz, keine blauen, grünen oder roten Minerale, nur grau, sandig oder ausgewaschen präsentieren sich die Halden.

 

content and image: copyright by Marina & Arpad Kunzfeld

Winterschlaf

04m-ÜbelbachNotberg-HufeisennaseTopenauer

photographer: Arpad Kunzfeld
subject: Kleine Hufeisennase, Blei-Silber-Bergbau Übelbach / Lesser Horseshoe bat, ancient led-silver mine Uebelbach, Styria


Noch bevor in unseren Gegenden die Temperaturen unter den Gefrierpunkt sinken, ist es für Fledermäuse an der Zeit ihre Winterschlafplätze aufzusuchen. Und wer dann in Höhlen steigt und alte Bergwerke befährt, der kann erleben, wie sich die Tiere kopfüber hängend auf den langen Schlaf vorbereiten, indem sie sich in ihre Hautflügel gleich einem Mantel einwickeln.


Eine bei uns in Österreich am häufigsten vorkommende Art dieser extrem nützlichen Tiere ist die „Kleine Hufeisennase“. Nur knapp über 4 cm groß, mit einer Flügelspannweite um die 25 cm, sich hauptsächlich von Insekten ernährend, hält sie von Oktober bis in den März hinein ihren Winterschlaf. In Österreich auf der Liste der gefährdeten Tiere hat sich der Bestand dieser kleinsten europäischen Fledermausart in den letzten Jahrzehnten stark reduziert, da einmal die Rückzugplätze der Tiere immer geringer werden und die Tiere auch immer wieder während ihres Winterschlafes gestört werden. Diese Störungen gehen sogar soweit, dass die Tiere verhungern.


Diese Aufnahme entstand, als sich die Tiere begannen auf ihre Winterruhe vorzubereiten und ihre Körperfunktionen noch nicht reduziert hatten. Aufgenommen mit einem 100 mm Makro-Objektiv und einem entfesseltem seitlichem Systemblitz. Eine der Herausforderungen bei der Fotografie von ruhenden Fledermäusen ist das korrekte Fokussieren auf Grund der Örtlichkeit. Was Kameras üblicherweise bei noch schwachen Lichtverhältnissen perfekt können, funktioniert im Reich der absoluten Dunkelheit jedoch nicht. Und die Abhilfe des Ausschaltens des Autofokus und anstelle dessen ein manuelles Fokussieren funktioniert ebenfalls nur dann, wenn der Fotograf etwas sehen kann – und dies ist im „lichtleeren Raum“ nicht möglich. Der Ausweg durch ein Beleuchten der Tiere mit einer starken Taschenlampe, um in Ruhe zu fokussieren, ist ebenfalls nicht zu empfehlen, da dieses Dauerlicht die Tiere unnütz in Stress versetzt. Deshalb nutze ich eine Methode, bei der ich die Kamera auf dem Stativ wegdrehe, die Entfernung zum Tier zuvor messe und einen gleichen Entfernungs-Punkt an einer abgewandten Stelle suche. Diese Methode ist effizient, geht schnell, wenn man gelernt hat in dunkler Umgebung zu hantieren und setzt die tierischen Fotomodelle nicht in Stress. Gute Kenntnis über Lichtführung in der absoluten Dunkelheit sind zum Schluss noch der Schlüssel dafür, mit einem „Schuss“ die gewünschte Aufnahme zu erzielen.

 

content and image: copyright by Arpad Kunzfeld

 

 

red power of nature

ArpadKunzfeld-72s-8312-22

photographer: Arpad Kunzfeld
subject: “Wurzelkraft von oben”, Horkbaue, Blei-Silber-Bergbau Großstübing, Steiermark / “red root power”, Hork adit, lead-silver mine nearby Großstübing, Styria


Eine Befahrung der alten Horkbaue bei Großstübing ist immer wieder ein Erlebnis. Schon der Einstieg ist eine Herausforderung, gilt es nicht eben in einen alten Stollen zu steigen, sondern sich fast senkrecht in die Tiefe abzuseilen. Und was die Natur dort im Reich der Dunkelheit zu bieten hat ist einfach einzigartig. Angefangen von Sinterbecken, Höhlenperlen, kleinen Tropfsteinen bis hin zu versinterten Verbrüchen und engen alten Förderstrecken.


Eine Besonderheit sind jedoch Wurzel-Enden, die in den oberflächennahen Bereichen des alten Bergbaues von der Stollendecke hängen. Hier haben Pflanzen ihre Wurzeln durch enge und lehmige Klüfte gezwängt, bis die Wurzelspitzen die Bergwerksstollen erreichten. Was wie Krabbenbeine aussieht sind fast 10 cm langen Luftwurzeln, die im von hinten gerichteten Licht in oranger bis roter Farbe leuchten und an deren Wurzelspitzen funkelnde Wasser-Tröpfchen blitzen.

 

content and image: copyright by Arpad Kunzfeld

Making of zum Bild

ArpadKunzfeld-72s-4227-36

photographer: Arpad Kunzfeld
subject: “1 Klafter hoch”, Hertha-Stollen, Silber-Bergbau Großstübing / “6 feet high”, Hertha adit, ancient silver mine Großstübing, Styria


„Menschenbilder 2017“ – die diesjährige Leistungsshow der steirischen Berufsfotografen – läuft gerade am Grazer Mariahilferplatz und wir sind mit dem Bild „1 Klafter hoch“ dabei. Wie ist nun dieses Bild entstanden? Hier ist das “Making of”:


Das Foto mit dem Titel „1 Klafter hoch“ wurde in einem alten und bereits lange in Vergessenheit geratenen Bergwerksstollen des ehemaligen Silber-Bergbaues rund um Großstübing aufgenommen. Eine Location, die für viele Fotografen ungewöhnlich, wenn nicht sogar unmöglich erscheint. Absolute Dunkelheit, Schmutz, Feuchtigkeit, allerlei Getier, schmale und niedrige Gänge, teilweise kriechende Fortbewegung sind die “Widrigkeiten”, die es hier zu bewältigen gilt. Hier gelten die Gesetze der Studio-Fotografie nur in ihren Ansätzen, hier sind Lichtstimmungen das ein und alles, hier wird fast immer mit Shift-Optiken gearbeitet, hier gibt es erweiterte physikalische Gesetze. Und um genau solche Projekte erfolgreich umsetzen zu können erfordert es neben dem Beherrschen der fotografischen Technik in der absoluten Dunkelheit eine gute Planung, strukturiertes Arbeiten und eine sehr große Portion an Liebe und Wissen über diese Art von Unterwelt, innerem Feuer und Freude an der Fotografie.


Bereits die Vorarbeiten, damit überhaupt fotografiert werden konnte waren abenteuerlich. Es begann damit, dass das einstige Mundloch des Stollens fast zur Gänze mit Erdreich und Steinen verfüllt war und der Zugang in den Stollen unmöglich erschien. Es bedurfte daher zuerst einiges an Grabarbeiten, um den Eingang soweit frei zu legen, dass wenigstens ein Kriechen in das Stollensystem möglich wurde. Das bedeutete aber auch gleichzeitig, dass die gesamte fotografische Ausrüstung kriechend in den Stollen befördert werden musste. Und das war nicht wenig. Kamera, Objektive, mehrere Stative und Systemblitze, Funksteuerungen, Lichtformer und noch vieles mehr mussten unversehrt und sauber durch ein 50 cm mal 50 cm großes Loch im Waldboden geschafft werden. Und da ich diese Aufnahme ohne jegliche Assistenz durchführte, musste ich alles über unwegsames Gelände zum Stolleneingang transportieren, dort graben, um die Öffnung freizulegen, alles in das Stollensystem bringen und später noch als Model vor der eigenen Kamera agieren und als Fotograf hinter der Kamera arbeiten.


Diese ersten Arbeiten sind schweißtreibend und erfordern bei sehr engen Löchern vielleicht etwas an Mut, jedenfalls an Klaustrophobie sollte man nicht gerade leiden. Die nächste Herausforderung war es die richtige Motivposition zu finden. Hier kam mir die Tatsache zu Hilfe, dass ich diesen Stollen aus vergangenen Zeiten kannte, ich dort vor Jahren bereits fotografierte und daher bereits vorab planen und “scribbeln” konnte. Trotzdem sah es dann in der Realität etwas anders aus und da bedurfte es der Fähigkeit sich fertige Bilder vor dem geistigen Auge vorstellen zu können und die Kamera gleichsam im Blindflug in dem schmalen Lichtkegel einer Stirnlampe auszurichten. Und ab nun wurde es richtig interessant: Es galt nämlich Licht zu setzen und das Selbst-Einrichten vor der Kamera ohne einem Einstell-Licht und ohne echten Anhaltspunkten zu bewerkstelligen, denn die absolute Dunkelheit in einem Stollen oder einer Höhle ist schwärzer als die Nacht. Es bedarf viel an Erfahrung, einer speziellen Technik um sich Linien zum Ausrichten zu merken, viel an Improvisation und keine Scheu vor der Dunkelheit und dem scheinbar unwirtlichen Umfeld. Wie ein Schirennläufer sich den Kurs einprägt, der Balletttänzer seine Chorographie lernt ist es hier notwendig sich an Hand von Steinen am Boden Ausrichtungslinien sehr exakt zu merken. Denn nur kleine Abweichungen von dieser idealen Linie bewirken belichtungstechnische Fehler, vor allem dann, wenn Systemblitze gegen die Kamera gerichtet sind. Es bedeutete aber Reihen von Aufnahmeserien mit vielen voneinander ein klein wenig sich unterscheidenden Körperpositionen, um Lichtsäume und Lichtersterne optimal zu platzieren. Die Kamera immer über die Funkfernsteuerung ausgelöst, warm werdende Akkus von mehrfach gekoppelten Systemblitzen, tropfendes Wasser von der Decke, hin und her laufen zwischen dem eigenen Model-Standort und der Kamera zur Bildkontrolle, Morast unter den Fußsohlen, mit Lehm verschmierte Finger, die Kamera tunlichst nicht zu berühren sind die kleinen und bei der Untertagefotografie normalen Herausforderungen. Zu aller letzt galt es alles zusammen zu packen, nichts in der Dunkelheit zu vergessen, denn fotografische Ausrüstung ist dafür auf Grund der meistens schwarzen Farbe prädestiniert, alles wieder durch das enge Loch zu pressen und sich anschließend mit Freude an die Ausarbeitung der Bilder zu machen.


Zum Abschluss noch eine Zeile zum Titel: der Name „1 Klafter hoch“ geht auf des alte Längenmaß des Klafters zurück. Ein Längenmaß dass zur Zeit einer Maria Theresia bei uns gebräuchlich war und nach unserem heutigen metrischen System 1,89 Meter betrug. Die meisten dieser aus dem frühen 18.Jahrhundert stammenden Stollen wurden „1 Klafter“ hoch gebaut, sodass ein Bergmann aufrecht in einem Stollen stehen konnte. Auf der Aufnahme lässt sich dieses historische Stollen-Profil noch gut erkennen.

 

content and image: copyright by Arpad Kunzfeld

In der Enge einer Kluft

ArpadKunzfeld-300-4077-96

photographer: Arpad Kunzfeld
subject: Tropfstein-Kluft, Blei-Silber-Bergbau bei Deutsch-Feistritz / dripstone fissure, ancient led and silver mine near Deutsch-Feistritz, Styria

 

So manches altes Erzlager der Blei-Silber-Bergwerke im Bergland von Graz wird von schmalen Klüften durchzogen und ganz besonders bemerkenswerte Klüfte lassen sich in einem alten Stollen des ehemaligen Bergbaues bei Deutsch-Feistritz bewundern. Die knapp 20 cm breiten Felsspalten sind viele Meter tief und verlaufen geheimnisvoll in den Berg hinein. Obwohl keine Tropfsteinhöhle, sondern ein Bergwerksstollen, sind diese Klüfte mit Tropfsteinen besetzt, die in den engen Spalten gerade so viel Platz gefunden haben, dass sie wachsen konnten. Die leicht durchscheinenden Tropfsteine sind mit einer gelblichen Lehmschicht überzogen und leuchten wunderbar in einer von hinten platzierten Lichtquelle und die dabei entstehenden Lichtsäume lassen die Tropfsteine sich vom Hintergrund deutlich abheben.


Aber wie diese „Lichtquellen“ – die Blitze in die dunkle Kluft bringen, sie richtig zu positionieren und sie auch richtig in Bezug auf Leistung einzustellen? Da die Klüfte nirgendwo höher als 20 cm sind, die Tropfsteine im hintersten Teil der Kluft hängen und niemand in einen so engen Spalt zu kriechen vermag, kann nur mit Verlängerungsstangen gearbeitet werden, an deren Ende ein oder mehrere Systemblitze montiert werden. Es bedarf immer Einiges an Geduld, bis die Blitzleistung richtig gesetzt ist, bis der richtige Abstrahlwinkel der Reflektoren eingestellt ist und bis die richtigen Positionen gefunden sind. Hier findet kein Belichtungsmesser mehr Verwendung, hier muss probiert werden und auf Erfahrung zurückgegriffen werden. Für jede Änderung müssen die Blitze wieder herausgeholt werden und dabei verhaken sie sich manchmal an den Kluftwänden. Dann gilt es ruhig zu bleiben, nicht zu reißen, nicht zu ziehen, nicht zu drücken, sondern gleich einem Mikado-Spieler mit viel Gefühl und ruhiger Hand ein bis zu 4 Meter langes Aluminium-U-Profil mit einem Systemblitz samt Funkfernsteuerung an seinem Ende zu jonglieren. Sind die neuen Einstellungen gesetzt, dann heißt es zu hoffen die ursprünglichen Positionen wieder zu finden. Erschwerend kommt dabei noch die Dunkelheit hinzu, denn Helmlicht oder auch andere starke Lichtquellen leuchten meistens genau dort nicht hin, wo man sie benötigen würde. Viele der Felsspalten verlaufen steil nach oben, was Gelenkigkeit während der Aufnahme erfordert. Entweder am morastigen Boden liegend, mit verdrehtem Kopf kniend, oder in einer anderen ungewöhnlichen Position verharrend wird dann die Kamera für den finalen Schuss vorbereitet.

 

content and image: copyright by Arpad Kunzfeld

Im lichtleeren Raum

ArpadKunzfeld-Sig-72-1573


photographer: Arpad Kunzfeld
subject: Unterer Carolus-Stollen, Silber-Bergbau bei Großstübing / Lower Carolus adit, silver-mine Großstübing, Styria

 

Untertage-Fotografie bei der man sowohl hinter der Kamera, als auch vor der Kamera steht ist eine besondere Herausforderung, vor allem dann, wenn man noch gleichzeitig auch als Assistent fungiert. Oder mit anderen Worten ausgedrückt, wenn man zur Gänze allein arbeitet. Einmal muss man massenhaft Ausrüstung über lange Strecken transportieren, denn die alten Stollen sind ja nicht neben einem Parkplatz sondern sind irgendwo in steilen und bewaldeten Gräben oder anderen unzugänglichen Gebieten. Und da sind es gleich einmal 15 bis 20 “Kilo”, die am Rücken hängen – neben der Kamera, Objektive, mehrere Stative, ein Duzend Systemblitze, Massen an Akkus, Fernsteuerungen, diverse Lampen von Karbid bis LED, Höhlenbekleidung und Entfernungsmessgeräte. Zum anderen ist es dann die Enge und Dunkelheit eines mittelalterlichen Bergwerks, die eine weitere Hürde darstellt – ein schmutziges, feuchtes, aber auch inspirierendes und abenteuerliches Foto-Studio auf Zeit. Es gibt nur den mitgebrachten Strom in Form von Akkus, Wasser kann über Knie hoch stehen, Wasser tropft auch von der Decke oder Firste, Stiefel und Stativbeine versinken im Morast, ein sauberer, weißer Reflektor wird in Minuten zu einer braunen Fläche, der Licht schluckt anstelle dieses zu reflektieren. Und wenn alles Licht abgedreht ist, dann sind auch alle Photonen dahin – es herrscht absolute Dunkelheit – “lichtleerer Raum”. In dieser Umgebung gilt es ein Motiv zu erfassen, eine Kamera auszurichten, auf einen in der Dunkelheit verborgenen Punkt scharf zu stellen, Licht zu setzen und noch als Model zu agieren. Man erspart sich zwar ein Model Release unterschreiben zu lassen, dafür erfordert es Einfallsreichtum in der eigenen Position vor der Kamera. Es gilt sich imaginäre Punkte und Linien zu merken, Systemblitze mit dem Körper geschickt abzudecken, trotzdem aber so viel Licht vorbei zu lassen, dass das mittelalterliche Flair erhalten bleibt. Man darf keine Angst vor Spinnen und Fledermäusen haben, auch nicht schmutzig zu werden, man muss nur die “Gerätschaft” schützen, unnötige Objektivwechsel vermeiden und es muss Spaß machen unter diesen erschwerten Bedingungen zu arbeiten.

Im Raum Großstübing nördlich von Graz gibt es noch eine relative große Anzahl von alten Bergwerksstollen, die meistens aus der Periode der Maria-Theresianischen-Rohstofferhebung stammen. Die meisten Stollen wurden um das Jahr 1750 angeschlagen und wurden bis in das frühe 19.Jahrhundert hinein betrieben. Meistens noch von Hand vorgetrieben führten diese Stollen teilweise um die 100 Meter und tiefer in den Berg mit dem Ziel Blei und Silber abzubauen. Einer dieser Stollen ist der Untere Carolus-Stollen bei Großstübing. Nur mehr wenige kennen seine Lage – so versteckt ist er im steilen waldigen Gelände – und ganz selten, dass ihn jemand befährt. Teile stehen unter Wasser, es tropft an allen Ecken und Enden und wer hier fotografiert muss vor allem seine Ausrüstung schützen. Lichtführung ist hier das besondere Thema, die  richtige Mischung, die die Stimmung “Bergbau” vermittelt. Es ist generell feucht und Stollenwände schlucken daher massiv viel Licht, sodass herkömmliche errechnete Blendenwerte meist um 3 oder sogar 4 Werte daneben liegen. Hier gilt es Systemblitze zu koppeln oder große Blitzbirnen einzusetzten. Hier gilt es zu improvisiren, zu probieren, hier ist nichts alltäglich. Selbst das Festlegen eines Bildausschnittes ist nicht einfach Kamera ausrichten, denn es ist absolut schwarze Nacht rundherum – lichtleerer Raum.

 

content and image: copyright by Arpad Kunzfeld

Waldstein

ArpadKunzfeld-72-1194-96

Foto: Arpad Kunzfeld
Motiv: Reckturm der Ruine Waldstein

 
Entlang der alten Handelsstraße von Deutschfeistritz über den Gleinalmsattel in das obere Murtal bewachten mehrere Burgen den Weg und hoben die damals üblichen Wegzölle ein. Eine dieser Befestigungen war die Burg Waldstein, auf der im ausklingenden Mittelalter den Grafen von Windischgrätz wohnten. Ein Wall mit Türmen sperrte im Tal den Handelsweg an der Stelle, an der sich das heute Schloß Waldstein befindet und auf der Anhöhe thronten eine Vorburg – der Hungerturm oder Reckturm – und dahinter die eigentliche Festung.

 

Inhalt und Foto: copyright by Arpad Kunzfeld