Bergbaufotografie

Die vergessenen Bergwerke

Das Bergbaurevier am Notberg

(von Silber, Blei und Zink im Grazer Bergland)


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photographer: Arpad Kunzfeld (2019)
subject: “Der Blick zurück” – die ersten leicht geschlungenen Meter eines alten Stollens des Bergbaues bei Übelbach, Grazer Bergland


Der einstige Silber-Bergbau von Übelbach war einer der größten und bedeutendsten in unserer Region, wurde dazu in 4 Revieren Silber, Blei und später auch Zink abgebaut. Heute lassen sich an den bewaldeten Flanken der Berge rund um den Markt Übelbach noch zahlreiche alte und teils riesige Bergwerkshalden finden, die jedoch allesamt zur Gänze mit hohen Fichten bewachsen sind und es auch einiges an bergbaulichem Wissen erfordert, um die ehemaligen Halden im Gelände erkennen zu können. Aber nicht nur die Halden zeugen von der einstigen bergbaulichen Tätigkeit, auch das aus dem Jahr 1612 stammende Gemeindewappen von Übelbach, oder „Ubilpach“ bezieht sich auf den Bergbau, zeigt es einen auf einer Kante stehenden Silberwürfel mit einer Punzierung über einem Bach.

 

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld (2015)
subject: “Der Blick in die Dunkelheit”, ein Selbstportrait aus einem alten Bergwerksstollen, Bergbau Übelbach, Grazer Bergland


Gab es zur Zeit der Hochblüte rund um Übelbach an die 40 Stollen, so sind diese Bergwerksstollen heute bis auf ganz wenige Ausnahmen verbrochen und damit nicht mehr zugänglich. Einer dieser noch offenen Einbaue ist ein Stollen knapp unterhalb der obersten Gehöfte am Notberg oberhalb von Guggenbach. In 730 Meter Seehöhe gelegen, über eine nur mehr kleine Öffnung im Waldboden zugänglich, wurde der Stollen an die 40 Meter tief in den Berg vorgetrieben. Auf Grund fehlender Gebäudereste dürfte aus diesem Bergwerksstollen jedoch nie Erz in größerem Masse gefördert worden sein, sondern lediglich eine mögliche Silbervererzung untersucht worden sein. Da sich diese jedoch als unergiebig herausgestellt hatte, wurden der Bergbau nach wenigen Zehnermetern aufgegeben.

 

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photographer: Arpad Kunzfeld (2019)
subject: Doppelender-Bergkristall, Bergbau Übelbach, Grazer Bergland


Doppelender sind Kristalle, die sowohl oben, als auch unten eine Kristallspitze haben, was sie einzigartig macht und was Sammler von Mineralien herausfordert sie zu suchen, denn sie sind selten. Bekannt aus den Bergkristall-Klüften der Alpen von nicht selten mehreren Dezimetern Länge, sind diese Kristalle aus einem alten Bergwerksstollen ausgenommen klein, dafür aber einmalig. Und was am Foto wie riesige Kristalle aussieht sind lediglich 5 Millimeter. Dafür machen es Makroobjektive mit Auszugsverlängerungen möglich, um auch die Welt der Miniatur überdimensional groß werden zu lassen. Stücke aus privaten Sammlungen sind es, die hier vor der Linse liegen, Stücke, die jedoch einmalig sind und in dieser Form nicht mehr zu finden sind. So sind die Arbeiten an unserem Buch über den historischen Bergbau neben der fotografischen Herausforderung vor allem „Bewahren“ von Vergangenem, bevor die Erosion die letzten offenen Stollen verschließt und private Sammlungen nach dem Ableben der Besitzer auf Grund fehlender Kenntnis der Hinterbliebenen auf der Müllhalde landen.

 


Fotografieren in alten historischen Bergwerken oder auch in Höhlen ist eine spezielle fotografische Disziplin, verlangt sie einmal neben dem guten fotografischen Wissen vor allem die Fähigkeit zu improvisieren und keine Scheu vor Dunkelheit und Schmutz zu haben. Wie dies geht ist erlernbar. Wenn Ihr dies erlernen möchtet, dann würden wir uns freuen, wenn Ihr Euch zu einem unserer Coachings anmeldet oder uns kontaktiert.

 

zum Coaching …..

 

content and image: copyright by Marina & Arpad Kunzfeld

Ubehebe Talc Mine

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Stolleneingang in die Ubehebe Talc Mine, Death Valley National Park, Kalifornien


Der riesige Death Valley Nationalpark besteht aus einer Reihe von Nord-Süd verlaufenden sehr einsamen Tälern, die fast ausschließlich nur mit geländegängigen Fahrzeugen befahren werden können. Eines dieser Täler ist das “versteckte” Hidden Valley, das von der Touristen-Attraktion, dem Ubehebe Krater, aus erreicht werden kann und in dessen Umgebung eine Reihe von interessanten Bergwerken liegen. Über die Tiefsandpassagen der „Ulida Flat“ erreicht man nach langer Fahrt über ruppigen Untergrund das Bergbaugebiet der „Ubehebe Mine“, einem Bergbau, der in den 1960er und 1970er Jahren Talk abbaute. Auch heute noch in Besitz eines Bergbau-Unternehmens, ist der Betrieb jedoch seit fast 50 Jahren still gelegt. Erzkästen, Pumpen, Leitungsrohre und ein noch teilweise befahrbares Stollensystem zeugen von der einstigen und sehr mühevollen Bergmannsarbeit in diesem öden und trockenen Teil Kaliforniens.

 

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Holzausbau und beginnender Verbruch, Ubehebe Talc Mine, Death Valley National Park, Kalifornien


Wer historischen Altbergbau aus unserem alpinen Raum kennt, dem fallen bei einer Befahrung dieser Bergwerke sofort einige Dinge auf, die ganz anders sind als bei uns. Liegt die durchschnittliche Temperatur in unseren heimischen Bergwerksstollen nur wenige Zehnermeter hinter dem Mundloch bereits um die 10 oder 12 Grad Celsius, so erwarten einen hier wesentlich höhere Temperaturen und auch das Wasser, mit dem wir in vielen alten Gruben bei uns zu kämpfen haben, ist hier im Death Valley kein Thema. Dieser Umstand hat hier im Death Valley zur Folge, dass meist unbehandeltes Grubenholz verwendet werden konnte, da hier Fäulnis auf Grund von Feuchtigkeit kein Thema war. Musste man bei uns Holzstempel zuerst mit Salzlösungen behandeln, um die Säfte aus dem Holz zu eliminieren und sie damit langfristig vor dem Zerfall zu schützen, wurden hier im Death Valley meist unbehandelte Nadelhölzer aus der näheren Umgebung verwendet. Diese Baumstämme wurden in entsprechende Pflöcke zersägt und dann ohne großen Aufwand in die Stollen geliefert, wo alles schnell gehen musste, denn Investoren wollten so rasch wie möglich harte Dollars sehen.

 

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Erzkasten, Ubehebe Talc Mine, Death Valley National Park, Kalifornien


Talk ist ein ganz besonderes Mineral, gilt Talk als einer der weichsten „Steine“. So wird Talk in der offiziellen Härteskala nach dem Mineralogen Carl Friedrich Mohs mit dem niedrigsten Wert „1“ der zehnteiligen Skala angegeben. Chemisch gesehen ein Magnesium-Silikat, findet Talk in der Kosmetik-Industrie oder auch beim Bau von Isolatoren Verwendung. Aber auch Kletterer kennen Talk, denn das weiße „Magnesia-Pulver“ mit dem man die Finger trocken hält und auch den Reibungswert gegenüber dem Fels erhöht ist grundsätzlich nichts anderes als Talk. Der Talk der Ubehebe Mine ist rein und schneeweiß und die alten Bergwerkshalden fallen bereits aus großer Entfernung aufgrund ihrer hellen Farbe im Gelände auf. Zusammen mit der benachbarten Keeler Mine und der Ibex Mine im Südosten des Death Valley Nationalparks zählt die Ubehebe Mine zu den großen Talkbergwerken im amerikanischen Bundesstaat Kalifornien.

 

content and image: copyright by Marina & Arpad Kunzfeld

Keane Wonder Mine

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Keane Wonder Mine, Death Valley National Park, Kalifornien


Gold war neben Salz und Talk einer der wichtigsten Rohstoffe, nach dem die Menschen im beginnenden 20.Jahrhundert im Death Valley schürften und wovon auch heute noch viele aufgelassene Bergwerke Zeugnis geben. Aus dieser Zeit des zweiten amerikanischen “Gold-Booms” waren es vor allem zwei Bergbaue, die sich als besonders ertragreich und Geld bringend hervortaten. Einmal waren es die Minen rund um Skidoo und zum anderen die im Osten des heutigen Death Valley Nationalparks gelegene Keane Wonder Mine. Von einem irisch-stämmigen Bergmann namens Jack Keane und seinem Freund Domingo Etcharren 1903 entdeckt, nachdem die beiden ursprünglich nach Silber Ausschau gehalten hatten, ging die Keane Wonder Mine 1907 in vollen Betrieb und förderte einige Jahre reiche Golderze.

 

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Seilbahn-Talstation, Keane Wonder Mine, Death Valley National Park, Kalifornien


Das ehemalige Areal der Keane Wonder Mine ist sehr weitläufig, liegen der eigentliche Bergbau mit seinen Stollen und Schächten und die dazu gehörende Aufbereitungsanlage fast 2 Kilometer voneinander entfernt. Das Einzigartige und Besondere an diesem Bergbau ist eine fast vollständig erhaltene Seilbahnanlage, die das goldhaltige Erz hoch oben vom Berg zur Aufbereitungsanlage transportierte. Lediglich der Antriebsmotor der Seilbahn und die Rollen und Umlenkräder dieser Anlage sind verschwunden, oder liegen zerbrochen und als Fragmente am Talboden. Diese Seilbahn förderte an Spitzentagen bis zu 70 Tonnen Golderz von den Stollen runter zum Pochwerk und der Cyanid-Laugungsanlage. Das Pochwerk und der mit 20 Pochstempeln bestückt Pochstuhl wurden nach dem Niedergang des Bergbaues verkauft, demontiert und anderen Orts wieder aufgebaut.

 

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Seil-Umlenkungsrad, Seilbahn-Talstation, Keane Wonder Mine, Death Valley National Park, Kalifornien


Obwohl restauriert, als eine Art Schaubergwerk betrieben, über eine PKW taugliche Straße sehr einfach erreichbar und für jedermann zugänglich, hält sich der Besucherstrom jedoch in Grenzen. Als wir den alten Bergbau besuchten, waren wir fast den ganzen Tag alleine und die wenigen Besucher, die kamen, die machten lediglich einen Schnellschuss mit dem Smartphone und verließen danach die Szene wieder. Für die meisten Besucher scheint der ehemalige Bergbau nur ein riesiges hölzernes Gerüst mit verrosteten Tanks zu sein und da auch einfache Erklärungen über die Arbeitsabläufe fehlen und kein Ranger zu gegen ist, der Führungen macht, können viele Besucher mit dieser Anlage nur sehr wenig anfangen und verlieren bald das Interesse.

 

content and image: copyright by Marina & Arpad Kunzfeld

Journigan’s Mill

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Cyanid-Tanks, Journigan’s Mill, Emigrant Canyon, Death Valley National Park, Kalifornien


Gold ist das Edelmetall, dass die Menschen seit frühester Zeit fasziniert hat, dass Menschen bewogen hat Kriege zu führen, Strapazen auf sich zu nehmen, zu suchen und zu forschen, um es herstellen zu können und das in allen Kulturen. Aus den Vereinigten Staaten kennen wir den berühmten Goldrausch von 1849, eine quasi zweite Goldrauschperiode zu Beginn des 20.Jahrhunderts und vielleicht nur einige von uns kennen das 1934 verabschiedete Goldreserven-Gesetz in den USA, durch das der Goldpreis fast verdoppelt wurde und viele still gelegte Goldbergwerke wieder reaktiviert wurden. Mit diesem wieder ausgelösten Bergbauboom ging einher, dass auch moderne Gewinnungsmethoden zum Einsatz kamen, um das fein im Gestein verteilte Gold kostengünstig zu gewinnen. Eine dieser Aufbereitungsanlagen war die Gesteinsmühle „Journigan’s Mill“ im Death Valley, die bis in die 70er-Jahre Gold aus den umliegenden Bergwerken gewann.

 

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Wasser-Tanks, Journigan’s Mill, Emigrant Canyon, Death Valley National Park, Kalifornien


Gelegen im Emigrant Canyon direkt an einer asphaltierten Straße, kann diese ehemalige Gesteinsmühle im Gegensatz zu vielen anderen montanhistorischen Stätten bequem mit jedem Fahrzeug erreicht werden. Nur 25 Kilometer von der Ansiedlung „Stovepipe Wells“ entfernt, erreicht man das Gelände in 20 Minuten Fahrt, muss aber im Emigrant Canyon genau Ausschau halten, um nicht an Journigan’s Mill vorbei zu fahren, denn wer die Abzweigung zum ehemaligen Goldbergbau von „Skidoo“ erreicht, der darf wenden. Von den einstigen aus Gesteinsbrechern, einer Kugelmühle und den Betriebsgebäuden bestehenden Anlage sind heute nur mehr die ehemaligen Cyanid-Tanks vorhanden, in die das ganz fein aufgeriebene Gold haltige Gestein gepumpt wurde und das Gold auf einem chemisch Prozess basierend ausgelaugt wurde. Das für diese Vorgänge benötige Wasser lieferten vier in unmittelbarer Umgebung liegende Quellen, das in riesigen Wassertanks zwischengespeichert wurde und die heute gleich ein Wahrzeichen hoch über den Resten der einstigen Gesteinsmühle thronen.

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Fahrzeug-Wracks, Journigan’s Mill, Emigrant Canyon, Death Valley National Park, Kalifornien

 

content and image: copyright by Marina & Arpad Kunzfeld

Bergbau-Artefakte Fotografieren

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Bergbau-Artefakt “Pfriemen-Zapfen”, Neuer Margarethen-Stollen, Bergbau Peggau


Das was hier wie eine Aufnahme in einem alten Bergwerksstollen aussieht ist eine Aufnahme im Atelier, bei der die Umgebungsbedingungen nachgestellt wurden. Um dies allerdings „täuschend echt“ zu bewerkstelligen, setzt es perfekte Kenntnisse der Welt tief im Berg voraus, denn nur dann lässt sich ein Bild der Realität nachzeichnen. Unsere nachgebaute Realität besteht aus Steinen, Felsen, Sand und anderen Requisiten, die allesamt aus alten Stollen stammen. Diese werden dann im Atelier wieder so arrangiert, wie wir sie in der Wirklichkeit vorgefunden haben, jedoch haben wir jetzt die Möglichkeit Elemente bewusst weg zu lassen oder andere gewollt hinzu zu fügen. Damit wird die Realität zwar erweitert, erlaubt uns aber eine Geschichte rund um die fotografierten Artefakte zu erzählen. Um dem Bild dann die notwendige Energie und Kraft zu verleihen, erfordert es Licht. Die Blitzköpfe der Studioblitzanlage mit diversen Lichtformern und Vorsätzen, Reflektoren, „Abschattern“ und Motiv- und Farb-Hintergründen sind es dann, die dem gesamten Arrangement Leben einhauchen, gleichsam wie beispielsweise schräg durch das Bild verlaufende Schärfebereiche, die das Auge des Betrachters auf das Wesentliche lenken.


Das Fotografieren solcher Artefakte ist der klassischen Produkt- und Objektfotografie gleichzusetzen. Objekte, die in Szene gesetzt werden, indem sie in einer virtuellen Realität platziert werden und der Fotograf damit seine Kreativität voll entfalten kann, sind der Schlüssel zu einer eindrucksvollen Objekt-Fotografie. Wer den besten Objektfotografen über die Schulter geschaut hat, wie beispielsweise einem Eberhard Schuy, der wird erlebt haben, wie rund um das Objekt eine Geschichte entsteht, die die scheinbar „tote“ Materie zum Leben erweckt. Auch das Fotografieren von historischen und musealen Artefakten ist Objekt-Fotografie und folgt diesen Gesetzen, wodurch Bilder eben mehr erzählen, als es die einfache Präsentation vermag.

 

 

content and image: copyright by Marina & Arpad Kunzfeld

Salz im Death Valley

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Reste des ehemaligen Salzabbaus im Saline Valley, Death Valley National Park, Kalifornien


Der fast 15.000 Quadratkilometer große Death Valley National Park besteht aus einer Reihe von Nord Süd laufender tiefer Taleinschnitte, die durch Gebirgsketten mit Höhen weit über 3000 Meter voneinander getrennt sind. Von diesen Tälern sind heute lediglich das eigentlich Death Valley selbst und das davon westlich liegende Panamint Valley durch asphaltierte Straßen für Otto-Normalverbraucher erschlossen. Alle weiteren Täler sind wüstenartige Einöde und erfordern geländetaugliche Fahrzeuge, sowie auch die notwendigen fahrtechnischen Fähigkeiten, um erkundet zu werden. So auch das Saline Valley, ein sehr einsames und fast 100 Kilometer langes Nord-Süd-Seitental, das für fast 1000 Jahre die Heimat der Timbisha Shoshonen war. Dieser Indianerstamm wurde in den 1930er-Jahren in den nahen Ort Darwin umgesiedelt, als viele andere Stämme auch ihrer Heimat beraubt wurden. Dieses Saline Valley war reich an Erzvorkommen, aber auch an Borax und Salz, wobei der Salzabbau einer der bemerkenswertesten Bergbaue überhaupt war. Keine Stollen, keine Halden, keine Steinbrüche, sondern eine endlos weiße Ebene, eingebettet in ein viele Kilometer breites einsames Tal.

 

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Reste des Salzkastens, Salzabbau im Saline Valley, Death Valley National Park, Kalifornien


Wer heute zu diesen Salzseen gelangen möchte, um die Reste der ehemaligen Salzgewinnung und die Relikte der Seilbahnanlage zu sehen, der darf sich auf eine raue und lange Fahrt abseits des Asphalts einstellen. Nichts für Wohnmobile, „tiefergelegte“ oder auch für SUVs, da bei diesen die standardmäßigen Reifen die Fahrt nicht überstehen würden. 2 Stunden Schütteln auf Grund der steinigen Piste und das Überqueren des in der kalten Jahreszeit teilweise vereisten South Pass sind durchzustehen, ehe man in ein weites, absolut einsames Tal mit riesigen Salzseen gelangt. Im Sommer brütende Hitze, kein erfrischender Quell, sondern nur salziges Wasser. Das war das Szenario der einstigen Arbeitsbedingungen und so sind auch heute noch die äußeren Bedingungen, gleich wie vor 100 Jahren.

 

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Auflagepunkte der ehemaligen Holzstege, Salzabbau im Saline Valley, Death Valley National Park, Kalifornien


Das, was heute von der einstigen Salzgewinnung übrig geblieben ist, sind die ehemaligen Auflagepunkte der hölzernen Stege, auf denen sich Arbeiter zwischen den einzelnen Abbaufeldern bewegen konnten, ohne durch das kostbare Salz marschieren zu müssen, sowie einige der Stützen der ehemaligen “Salzseilbahn”, die das Salz über die Berge zur Eisenbahn-Verladung bei Swansea gebracht hatte. Leider haben Vandalen aus Zerstörungswut viele der hölzernen Seilbahnstützen zerstört, indem sie diese montan-historischen Artefakte einfach angezündet hatten. Die ehemalige Salzseilbahn nahm 1914 ihre Arbeit auf und wurde mit mehreren Unterbrechungen bis in das Jahr 1936 betrieben. Zur Zeit des Vollbetriebs hingen bis zu 286 Salzgondeln an den Seilen und lieferten 20 Tonnen Salz in der Stunde.

 

 

content and image: copyright by Marina & Arpad Kunzfeld

Corona Mine

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Bergbau-Gleisanlage, Corona Mine, Panamint Mountain Range, Death Valley National Park, Kalifornien


1899 als Gem Mine eröffnet, liegt dieser ganz besondere Bergbau in einem teilweise saftig grünen, jedoch sehr versteckten Canyon der sonst trockenen und wüsten Panamint Mountain Range des Death Valley National Park. Eine ganze Reihe von alten Bergwerks-Artefakten und eine zum Teil erhaltene Gesteinsmühle laden hier den Besucher zum Erkunden ein. Das Kriterium, um die Corona Mine zu erreichen, ist jedoch die Zufahrt. Eine wilde und mit teils großen Steinen übersäte und teilweise auch nicht mehr vorhandene Strasse führt zu diesem Bergbau. Ein “echtes” Geländeauto, große Bodenfreiheit, Allrad ohne Differential im Zwischengetriebe und fahrerisches Geschick sind die Voraussetzung, um die 10 km lange Fahrt zu meistern. Hier scheiden definitiv alle SUVs aus, auch wenn es sich um die BMW X5s oder die Porsche Cayennes handelt, zu gering ist deren Bodenfreiheit und zu viel ist deren Antriebsstrang für die Asphalt-Pisten ausgelegt. Wer aber trotzdem auf ein derartiges Abenteuer nicht verzichten möchte, der findet in Furnace Creek im Death Valley eine kleine, aber feine Autoverleihfirma, die tageweise Geländeautos vermietet.

 

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Reste des Gesteinsmühlen-Antriebs, Corona Mine, Panamint Mountain Range, Death Valley National Park, Kalifornien


Der Bergbau wurde bis hinein in die 1980er Jahre betrieben und wie aus Aufzeichnungen ersichtlich, erstreckt sich unter der Oberfläche ein weit ausgedehntes Netz an Stollen, Strecken und Schächten, in denen Gold, Silber, Blei und Zink abgebaut wurden. Die wenigen noch offenen Stolleneingänge wurden heute mit Fledermausgittern verschlossen, um den Tieren ein störungsfreies Überwintern zu ermöglichen.

 

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Reste einer Seilwinde, Corona Mine, Panamint Mountain Range, Death Valley National Park, Kalifornien


Herausragend ist eine in die Enge des Canyons aus Holz gebaute „Stamp Mill“ mit einem intakten Erzkasten, einem leider herunter gebrochenen Stampfwerk, einem Holzturm und einem Dieselnmotor mit dessen Hilfe die Mühle angetrieben wurde. Durch den Canyon murmelt ein kleines Bächlein, wodurch es einen dichten grünen Bewuchs gibt und die Frösche quaken. Dazwischen immer wieder gelb lackierte Bergbaumaschinen, die einen herrlichen Kontrast zum Grün der Pflanzen geben.

 

 

content and image: copyright by Marina & Arpad Kunzfeld

Leadfield Ghost Town

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Gebäudereste, “March Storm Number 1 Claim”, Leadfield, Titus Canyon, Death Valley


1905 entdeckten Erzsucher Goldvorkommen im Titus Canyon, einer tief eingeschnittenen Seiten-Schlucht des Death Valley. Nur schwer zugänglich, musste zuerst eine Strasse durch den Canyon gebaut werden, um Gerätschaft aus dem Death Valley zum 22 Meilen entfernten Bergbau bringen zu können und später das gewonnene Erz den Schmelzöfen zuliefern zu können. Durch den Bergbau entstand eine kleine Stadt, in der im Jahr 1926 mehr als 300 Personen lebten.


Der Bergbau mit seinen mehr als 10 unterschiedlichen Claims, wie auch die daneben entstandene Stadt waren nicht von langer Dauer. Bereits 1927 wurde Leadfield wieder verlassen und dem Verfall Preis gegeben. Die meisten Gebäude verrotteten und fielen in sich zusammen, lediglich das ehemalige Postamt, einige wenige andere Gebäude und die Bergwerksstollen haben bis heute dem Zahn der Zeit Stand gehalten.

 

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Haupt-Stollen des “March Storm Number 2 Claim”, Leadfield, Titus Canyon, Death Valley


Fledermaus-Schutz ist ein großes Thema im Death Valley National Park und so versucht die Nationalpark-Verwaltung durch spezielle Eisengitter-Konstruktionen Touristen vom Besuch der alten Stollen während der Wintermonate abzuhalten. Die Gitterstäbe sind so konstruiert, dass lediglich Fledermäuse hindurch kommen, größeren Tieren bis hin zum Menschen jedoch ein Zutritt nicht möglich gemacht werden kann. Diese Gitter werden nach der kalten Jahreszeit entfernt. So ist beispielsweise der Eingang zur Hauptstrecke des March Storm 2 Claims wurde durch ein Rohr mit fast 1,5 Metern Durchmesser abgesichert, um dem Verbrechen des Stollenmundloches entgegen halten zu können. Durch dieses Rohr und seine Gitterstäbe haben wir hindurch fotografiert.

 

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Halde,”March Storm Number 2 Claim”, Leadfield, Titus Canyon, Death Valley

 

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: ehemalige Schmiede, “March Storm Number 2 Claim”, Leadfield, Titus Canyon, Death Valley


Teilweise große graue Halden heben sich von der umgebenden Landschaft mit ihren gelbfarbenen Sträuchern ab. Sie zeigen ein Bild des Kontrastes und wer alte Bergwerkshalden in unserer steirischen Heimat kennt, der weiß, wie rasch diese wieder mit einer dicken Humusschicht überzogen sind. Hier in diese trockenen Einöde ist dies nicht der Fall, hier ist Staub, ein paar Dornbüsche und allerlei nicht sichtbares Getier.
Und wer annimmt, dass auf den Halden noch Erzbrocken liegen, sich farbenfrohe farbliche Ausblühungen gebildet haben, der irrt gewaltig. Kein Stäubchen Roherz, keine blauen, grünen oder roten Minerale, nur grau, sandig oder ausgewaschen präsentieren sich die Halden.

 

content and image: copyright by Marina & Arpad Kunzfeld

Winterschlaf

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photographer: Arpad Kunzfeld
subject: Kleine Hufeisennase, Blei-Silber-Bergbau Übelbach / Lesser Horseshoe bat, ancient led-silver mine Uebelbach, Styria


Noch bevor in unseren Gegenden die Temperaturen unter den Gefrierpunkt sinken, ist es für Fledermäuse an der Zeit ihre Winterschlafplätze aufzusuchen. Und wer dann in Höhlen steigt und alte Bergwerke befährt, der kann erleben, wie sich die Tiere kopfüber hängend auf den langen Schlaf vorbereiten, indem sie sich in ihre Hautflügel gleich einem Mantel einwickeln.


Eine bei uns in Österreich am häufigsten vorkommende Art dieser extrem nützlichen Tiere ist die „Kleine Hufeisennase“. Nur knapp über 4 cm groß, mit einer Flügelspannweite um die 25 cm, sich hauptsächlich von Insekten ernährend, hält sie von Oktober bis in den März hinein ihren Winterschlaf. In Österreich auf der Liste der gefährdeten Tiere hat sich der Bestand dieser kleinsten europäischen Fledermausart in den letzten Jahrzehnten stark reduziert, da einmal die Rückzugplätze der Tiere immer geringer werden und die Tiere auch immer wieder während ihres Winterschlafes gestört werden. Diese Störungen gehen sogar soweit, dass die Tiere verhungern.


Diese Aufnahme entstand, als sich die Tiere begannen auf ihre Winterruhe vorzubereiten und ihre Körperfunktionen noch nicht reduziert hatten. Aufgenommen mit einem 100 mm Makro-Objektiv und einem entfesseltem seitlichem Systemblitz. Eine der Herausforderungen bei der Fotografie von ruhenden Fledermäusen ist das korrekte Fokussieren auf Grund der Örtlichkeit. Was Kameras üblicherweise bei noch schwachen Lichtverhältnissen perfekt können, funktioniert im Reich der absoluten Dunkelheit jedoch nicht. Und die Abhilfe des Ausschaltens des Autofokus und anstelle dessen ein manuelles Fokussieren funktioniert ebenfalls nur dann, wenn der Fotograf etwas sehen kann – und dies ist im „lichtleeren Raum“ nicht möglich. Der Ausweg durch ein Beleuchten der Tiere mit einer starken Taschenlampe, um in Ruhe zu fokussieren, ist ebenfalls nicht zu empfehlen, da dieses Dauerlicht die Tiere unnütz in Stress versetzt. Deshalb nutze ich eine Methode, bei der ich die Kamera auf dem Stativ wegdrehe, die Entfernung zum Tier zuvor messe und einen gleichen Entfernungs-Punkt an einer abgewandten Stelle suche. Diese Methode ist effizient, geht schnell, wenn man gelernt hat in dunkler Umgebung zu hantieren und setzt die tierischen Fotomodelle nicht in Stress. Gute Kenntnis über Lichtführung in der absoluten Dunkelheit sind zum Schluss noch der Schlüssel dafür, mit einem „Schuss“ die gewünschte Aufnahme zu erzielen.

 

content and image: copyright by Arpad Kunzfeld

 

 

red power of nature

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photographer: Arpad Kunzfeld
subject: “Wurzelkraft von oben”, Horkbaue, Blei-Silber-Bergbau Großstübing, Steiermark / “red root power”, Hork adit, lead-silver mine nearby Großstübing, Styria


Eine Befahrung der alten Horkbaue bei Großstübing ist immer wieder ein Erlebnis. Schon der Einstieg ist eine Herausforderung, gilt es nicht eben in einen alten Stollen zu steigen, sondern sich fast senkrecht in die Tiefe abzuseilen. Und was die Natur dort im Reich der Dunkelheit zu bieten hat ist einfach einzigartig. Angefangen von Sinterbecken, Höhlenperlen, kleinen Tropfsteinen bis hin zu versinterten Verbrüchen und engen alten Förderstrecken.


Eine Besonderheit sind jedoch Wurzel-Enden, die in den oberflächennahen Bereichen des alten Bergbaues von der Stollendecke hängen. Hier haben Pflanzen ihre Wurzeln durch enge und lehmige Klüfte gezwängt, bis die Wurzelspitzen die Bergwerksstollen erreichten. Was wie Krabbenbeine aussieht sind fast 10 cm langen Luftwurzeln, die im von hinten gerichteten Licht in oranger bis roter Farbe leuchten und an deren Wurzelspitzen funkelnde Wasser-Tröpfchen blitzen.

 

content and image: copyright by Arpad Kunzfeld

Making of zum Bild

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photographer: Arpad Kunzfeld
subject: “1 Klafter hoch”, Hertha-Stollen, Silber-Bergbau Großstübing / “6 feet high”, Hertha adit, ancient silver mine Großstübing, Styria


„Menschenbilder 2017“ – die diesjährige Leistungsshow der steirischen Berufsfotografen – läuft gerade am Grazer Mariahilferplatz und wir sind mit dem Bild „1 Klafter hoch“ dabei. Wie ist nun dieses Bild entstanden? Hier ist das “Making of”:


Das Foto mit dem Titel „1 Klafter hoch“ wurde in einem alten und bereits lange in Vergessenheit geratenen Bergwerksstollen des ehemaligen Silber-Bergbaues rund um Großstübing aufgenommen. Eine Location, die für viele Fotografen ungewöhnlich, wenn nicht sogar unmöglich erscheint. Absolute Dunkelheit, Schmutz, Feuchtigkeit, allerlei Getier, schmale und niedrige Gänge, teilweise kriechende Fortbewegung sind die “Widrigkeiten”, die es hier zu bewältigen gilt. Hier gelten die Gesetze der Studio-Fotografie nur in ihren Ansätzen, hier sind Lichtstimmungen das ein und alles, hier wird fast immer mit Shift-Optiken gearbeitet, hier gibt es erweiterte physikalische Gesetze. Und um genau solche Projekte erfolgreich umsetzen zu können erfordert es neben dem Beherrschen der fotografischen Technik in der absoluten Dunkelheit eine gute Planung, strukturiertes Arbeiten und eine sehr große Portion an Liebe und Wissen über diese Art von Unterwelt, innerem Feuer und Freude an der Fotografie.


Bereits die Vorarbeiten, damit überhaupt fotografiert werden konnte waren abenteuerlich. Es begann damit, dass das einstige Mundloch des Stollens fast zur Gänze mit Erdreich und Steinen verfüllt war und der Zugang in den Stollen unmöglich erschien. Es bedurfte daher zuerst einiges an Grabarbeiten, um den Eingang soweit frei zu legen, dass wenigstens ein Kriechen in das Stollensystem möglich wurde. Das bedeutete aber auch gleichzeitig, dass die gesamte fotografische Ausrüstung kriechend in den Stollen befördert werden musste. Und das war nicht wenig. Kamera, Objektive, mehrere Stative und Systemblitze, Funksteuerungen, Lichtformer und noch vieles mehr mussten unversehrt und sauber durch ein 50 cm mal 50 cm großes Loch im Waldboden geschafft werden. Und da ich diese Aufnahme ohne jegliche Assistenz durchführte, musste ich alles über unwegsames Gelände zum Stolleneingang transportieren, dort graben, um die Öffnung freizulegen, alles in das Stollensystem bringen und später noch als Model vor der eigenen Kamera agieren und als Fotograf hinter der Kamera arbeiten.


Diese ersten Arbeiten sind schweißtreibend und erfordern bei sehr engen Löchern vielleicht etwas an Mut, jedenfalls an Klaustrophobie sollte man nicht gerade leiden. Die nächste Herausforderung war es die richtige Motivposition zu finden. Hier kam mir die Tatsache zu Hilfe, dass ich diesen Stollen aus vergangenen Zeiten kannte, ich dort vor Jahren bereits fotografierte und daher bereits vorab planen und “scribbeln” konnte. Trotzdem sah es dann in der Realität etwas anders aus und da bedurfte es der Fähigkeit sich fertige Bilder vor dem geistigen Auge vorstellen zu können und die Kamera gleichsam im Blindflug in dem schmalen Lichtkegel einer Stirnlampe auszurichten. Und ab nun wurde es richtig interessant: Es galt nämlich Licht zu setzen und das Selbst-Einrichten vor der Kamera ohne einem Einstell-Licht und ohne echten Anhaltspunkten zu bewerkstelligen, denn die absolute Dunkelheit in einem Stollen oder einer Höhle ist schwärzer als die Nacht. Es bedarf viel an Erfahrung, einer speziellen Technik um sich Linien zum Ausrichten zu merken, viel an Improvisation und keine Scheu vor der Dunkelheit und dem scheinbar unwirtlichen Umfeld. Wie ein Schirennläufer sich den Kurs einprägt, der Balletttänzer seine Chorographie lernt ist es hier notwendig sich an Hand von Steinen am Boden Ausrichtungslinien sehr exakt zu merken. Denn nur kleine Abweichungen von dieser idealen Linie bewirken belichtungstechnische Fehler, vor allem dann, wenn Systemblitze gegen die Kamera gerichtet sind. Es bedeutete aber Reihen von Aufnahmeserien mit vielen voneinander ein klein wenig sich unterscheidenden Körperpositionen, um Lichtsäume und Lichtersterne optimal zu platzieren. Die Kamera immer über die Funkfernsteuerung ausgelöst, warm werdende Akkus von mehrfach gekoppelten Systemblitzen, tropfendes Wasser von der Decke, hin und her laufen zwischen dem eigenen Model-Standort und der Kamera zur Bildkontrolle, Morast unter den Fußsohlen, mit Lehm verschmierte Finger, die Kamera tunlichst nicht zu berühren sind die kleinen und bei der Untertagefotografie normalen Herausforderungen. Zu aller letzt galt es alles zusammen zu packen, nichts in der Dunkelheit zu vergessen, denn fotografische Ausrüstung ist dafür auf Grund der meistens schwarzen Farbe prädestiniert, alles wieder durch das enge Loch zu pressen und sich anschließend mit Freude an die Ausarbeitung der Bilder zu machen.


Zum Abschluss noch eine Zeile zum Titel: der Name „1 Klafter hoch“ geht auf des alte Längenmaß des Klafters zurück. Ein Längenmaß dass zur Zeit einer Maria Theresia bei uns gebräuchlich war und nach unserem heutigen metrischen System 1,89 Meter betrug. Die meisten dieser aus dem frühen 18.Jahrhundert stammenden Stollen wurden „1 Klafter“ hoch gebaut, sodass ein Bergmann aufrecht in einem Stollen stehen konnte. Auf der Aufnahme lässt sich dieses historische Stollen-Profil noch gut erkennen.

 

content and image: copyright by Arpad Kunzfeld

Vernissage Menschenbilder 2017

Einladung Menschenbilder

Foto: Arpad Kunzfeld
Motiv: “Ein Klafter hoch”

 


So wie jedes Jahr veranstaltet das Atelier Christian Jungwirth zusammen mit der Innung der Berufsfotografen eine Ausstellung mit den besten Arbeiten steirischer Fotografen. Diese Ausstellung mit dem Titel „Menschenbilder“ wird am 11.März in Graz am Mariahilferplatz eröffnet und zieht dann im Laufes des Jahres durch viele steirische Gemeinden. Und was uns ganz besonders freut, dass auch wir dieses Jahr mit einer Arbeit vertreten sind. Einen ersten Eindruck von den ausgestellten Arbeiten findet ihr auch im Internet unter www.menschenbilder-graz.at. Die Ausstellung befindet sich im Freien und ist für jeden rund um die Uhr zugänglich.


Es würde uns ganz besonders freuen, dich/euch bei der feierlichen Eröffnung zu begrüßen.
Ort: Mariahilferplatz, Graz
Termin: 11.März 2017, 11 Uhr

 

Inhalt und Foto: copyright by book-and-picture

In der Enge einer Kluft

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photographer: Arpad Kunzfeld
subject: Tropfstein-Kluft, Blei-Silber-Bergbau bei Deutsch-Feistritz / dripstone fissure, ancient led and silver mine near Deutsch-Feistritz, Styria

 

So manches altes Erzlager der Blei-Silber-Bergwerke im Bergland von Graz wird von schmalen Klüften durchzogen und ganz besonders bemerkenswerte Klüfte lassen sich in einem alten Stollen des ehemaligen Bergbaues bei Deutsch-Feistritz bewundern. Die knapp 20 cm breiten Felsspalten sind viele Meter tief und verlaufen geheimnisvoll in den Berg hinein. Obwohl keine Tropfsteinhöhle, sondern ein Bergwerksstollen, sind diese Klüfte mit Tropfsteinen besetzt, die in den engen Spalten gerade so viel Platz gefunden haben, dass sie wachsen konnten. Die leicht durchscheinenden Tropfsteine sind mit einer gelblichen Lehmschicht überzogen und leuchten wunderbar in einer von hinten platzierten Lichtquelle und die dabei entstehenden Lichtsäume lassen die Tropfsteine sich vom Hintergrund deutlich abheben.


Aber wie diese „Lichtquellen“ – die Blitze in die dunkle Kluft bringen, sie richtig zu positionieren und sie auch richtig in Bezug auf Leistung einzustellen? Da die Klüfte nirgendwo höher als 20 cm sind, die Tropfsteine im hintersten Teil der Kluft hängen und niemand in einen so engen Spalt zu kriechen vermag, kann nur mit Verlängerungsstangen gearbeitet werden, an deren Ende ein oder mehrere Systemblitze montiert werden. Es bedarf immer Einiges an Geduld, bis die Blitzleistung richtig gesetzt ist, bis der richtige Abstrahlwinkel der Reflektoren eingestellt ist und bis die richtigen Positionen gefunden sind. Hier findet kein Belichtungsmesser mehr Verwendung, hier muss probiert werden und auf Erfahrung zurückgegriffen werden. Für jede Änderung müssen die Blitze wieder herausgeholt werden und dabei verhaken sie sich manchmal an den Kluftwänden. Dann gilt es ruhig zu bleiben, nicht zu reißen, nicht zu ziehen, nicht zu drücken, sondern gleich einem Mikado-Spieler mit viel Gefühl und ruhiger Hand ein bis zu 4 Meter langes Aluminium-U-Profil mit einem Systemblitz samt Funkfernsteuerung an seinem Ende zu jonglieren. Sind die neuen Einstellungen gesetzt, dann heißt es zu hoffen die ursprünglichen Positionen wieder zu finden. Erschwerend kommt dabei noch die Dunkelheit hinzu, denn Helmlicht oder auch andere starke Lichtquellen leuchten meistens genau dort nicht hin, wo man sie benötigen würde. Viele der Felsspalten verlaufen steil nach oben, was Gelenkigkeit während der Aufnahme erfordert. Entweder am morastigen Boden liegend, mit verdrehtem Kopf kniend, oder in einer anderen ungewöhnlichen Position verharrend wird dann die Kamera für den finalen Schuss vorbereitet.

 

content and image: copyright by Arpad Kunzfeld

Im lichtleeren Raum

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photographer: Arpad Kunzfeld
subject: Unterer Carolus-Stollen, Silber-Bergbau bei Großstübing / Lower Carolus adit, silver-mine Großstübing, Styria

 

Untertage-Fotografie bei der man sowohl hinter der Kamera, als auch vor der Kamera steht ist eine besondere Herausforderung, vor allem dann, wenn man noch gleichzeitig auch als Assistent fungiert. Oder mit anderen Worten ausgedrückt, wenn man zur Gänze allein arbeitet. Einmal muss man massenhaft Ausrüstung über lange Strecken transportieren, denn die alten Stollen sind ja nicht neben einem Parkplatz sondern sind irgendwo in steilen und bewaldeten Gräben oder anderen unzugänglichen Gebieten. Und da sind es gleich einmal 15 bis 20 “Kilo”, die am Rücken hängen – neben der Kamera, Objektive, mehrere Stative, ein Duzend Systemblitze, Massen an Akkus, Fernsteuerungen, diverse Lampen von Karbid bis LED, Höhlenbekleidung und Entfernungsmessgeräte. Zum anderen ist es dann die Enge und Dunkelheit eines mittelalterlichen Bergwerks, die eine weitere Hürde darstellt – ein schmutziges, feuchtes, aber auch inspirierendes und abenteuerliches Foto-Studio auf Zeit. Es gibt nur den mitgebrachten Strom in Form von Akkus, Wasser kann über Knie hoch stehen, Wasser tropft auch von der Decke oder Firste, Stiefel und Stativbeine versinken im Morast, ein sauberer, weißer Reflektor wird in Minuten zu einer braunen Fläche, der Licht schluckt anstelle dieses zu reflektieren. Und wenn alles Licht abgedreht ist, dann sind auch alle Photonen dahin – es herrscht absolute Dunkelheit – “lichtleerer Raum”. In dieser Umgebung gilt es ein Motiv zu erfassen, eine Kamera auszurichten, auf einen in der Dunkelheit verborgenen Punkt scharf zu stellen, Licht zu setzen und noch als Model zu agieren. Man erspart sich zwar ein Model Release unterschreiben zu lassen, dafür erfordert es Einfallsreichtum in der eigenen Position vor der Kamera. Es gilt sich imaginäre Punkte und Linien zu merken, Systemblitze mit dem Körper geschickt abzudecken, trotzdem aber so viel Licht vorbei zu lassen, dass das mittelalterliche Flair erhalten bleibt. Man darf keine Angst vor Spinnen und Fledermäusen haben, auch nicht schmutzig zu werden, man muss nur die “Gerätschaft” schützen, unnötige Objektivwechsel vermeiden und es muss Spaß machen unter diesen erschwerten Bedingungen zu arbeiten.

Im Raum Großstübing nördlich von Graz gibt es noch eine relative große Anzahl von alten Bergwerksstollen, die meistens aus der Periode der Maria-Theresianischen-Rohstofferhebung stammen. Die meisten Stollen wurden um das Jahr 1750 angeschlagen und wurden bis in das frühe 19.Jahrhundert hinein betrieben. Meistens noch von Hand vorgetrieben führten diese Stollen teilweise um die 100 Meter und tiefer in den Berg mit dem Ziel Blei und Silber abzubauen. Einer dieser Stollen ist der Untere Carolus-Stollen bei Großstübing. Nur mehr wenige kennen seine Lage – so versteckt ist er im steilen waldigen Gelände – und ganz selten, dass ihn jemand befährt. Teile stehen unter Wasser, es tropft an allen Ecken und Enden und wer hier fotografiert muss vor allem seine Ausrüstung schützen. Lichtführung ist hier das besondere Thema, die  richtige Mischung, die die Stimmung “Bergbau” vermittelt. Es ist generell feucht und Stollenwände schlucken daher massiv viel Licht, sodass herkömmliche errechnete Blendenwerte meist um 3 oder sogar 4 Werte daneben liegen. Hier gilt es Systemblitze zu koppeln oder große Blitzbirnen einzusetzten. Hier gilt es zu improvisiren, zu probieren, hier ist nichts alltäglich. Selbst das Festlegen eines Bildausschnittes ist nicht einfach Kamera ausrichten, denn es ist absolut schwarze Nacht rundherum – lichtleerer Raum.

 

content and image: copyright by Arpad Kunzfeld