lichtleerer Raum

Die vergessenen Bergwerke

Das Bergbaurevier am Notberg

(von Silber, Blei und Zink im Grazer Bergland)


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photographer: Arpad Kunzfeld (2019)
subject: “Der Blick zurück” – die ersten leicht geschlungenen Meter eines alten Stollens des Bergbaues bei Übelbach, Grazer Bergland


Der einstige Silber-Bergbau von Übelbach war einer der größten und bedeutendsten in unserer Region, wurde dazu in 4 Revieren Silber, Blei und später auch Zink abgebaut. Heute lassen sich an den bewaldeten Flanken der Berge rund um den Markt Übelbach noch zahlreiche alte und teils riesige Bergwerkshalden finden, die jedoch allesamt zur Gänze mit hohen Fichten bewachsen sind und es auch einiges an bergbaulichem Wissen erfordert, um die ehemaligen Halden im Gelände erkennen zu können. Aber nicht nur die Halden zeugen von der einstigen bergbaulichen Tätigkeit, auch das aus dem Jahr 1612 stammende Gemeindewappen von Übelbach, oder „Ubilpach“ bezieht sich auf den Bergbau, zeigt es einen auf einer Kante stehenden Silberwürfel mit einer Punzierung über einem Bach.

 

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld (2015)
subject: “Der Blick in die Dunkelheit”, ein Selbstportrait aus einem alten Bergwerksstollen, Bergbau Übelbach, Grazer Bergland


Gab es zur Zeit der Hochblüte rund um Übelbach an die 40 Stollen, so sind diese Bergwerksstollen heute bis auf ganz wenige Ausnahmen verbrochen und damit nicht mehr zugänglich. Einer dieser noch offenen Einbaue ist ein Stollen knapp unterhalb der obersten Gehöfte am Notberg oberhalb von Guggenbach. In 730 Meter Seehöhe gelegen, über eine nur mehr kleine Öffnung im Waldboden zugänglich, wurde der Stollen an die 40 Meter tief in den Berg vorgetrieben. Auf Grund fehlender Gebäudereste dürfte aus diesem Bergwerksstollen jedoch nie Erz in größerem Masse gefördert worden sein, sondern lediglich eine mögliche Silbervererzung untersucht worden sein. Da sich diese jedoch als unergiebig herausgestellt hatte, wurden der Bergbau nach wenigen Zehnermetern aufgegeben.

 

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photographer: Arpad Kunzfeld (2019)
subject: Doppelender-Bergkristall, Bergbau Übelbach, Grazer Bergland


Doppelender sind Kristalle, die sowohl oben, als auch unten eine Kristallspitze haben, was sie einzigartig macht und was Sammler von Mineralien herausfordert sie zu suchen, denn sie sind selten. Bekannt aus den Bergkristall-Klüften der Alpen von nicht selten mehreren Dezimetern Länge, sind diese Kristalle aus einem alten Bergwerksstollen ausgenommen klein, dafür aber einmalig. Und was am Foto wie riesige Kristalle aussieht sind lediglich 5 Millimeter. Dafür machen es Makroobjektive mit Auszugsverlängerungen möglich, um auch die Welt der Miniatur überdimensional groß werden zu lassen. Stücke aus privaten Sammlungen sind es, die hier vor der Linse liegen, Stücke, die jedoch einmalig sind und in dieser Form nicht mehr zu finden sind. So sind die Arbeiten an unserem Buch über den historischen Bergbau neben der fotografischen Herausforderung vor allem „Bewahren“ von Vergangenem, bevor die Erosion die letzten offenen Stollen verschließt und private Sammlungen nach dem Ableben der Besitzer auf Grund fehlender Kenntnis der Hinterbliebenen auf der Müllhalde landen.

 


Fotografieren in alten historischen Bergwerken oder auch in Höhlen ist eine spezielle fotografische Disziplin, verlangt sie einmal neben dem guten fotografischen Wissen vor allem die Fähigkeit zu improvisieren und keine Scheu vor Dunkelheit und Schmutz zu haben. Wie dies geht ist erlernbar. Wenn Ihr dies erlernen möchtet, dann würden wir uns freuen, wenn Ihr Euch zu einem unserer Coachings anmeldet oder uns kontaktiert.

 

zum Coaching …..

 

content and image: copyright by Marina & Arpad Kunzfeld

Vernissage Menschenbilder 2019

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subject: “im Lichtschacht” (photographer: Arpad Kunzfeld, 2018 / im Bild: Harald Polt / location: Geisterschacht, Lurgrotte Semriach)


So wie jedes Jahr veranstaltet das Atelier Christian Jungwirth zusammen mit der Innung der Berufsfotografen eine Ausstellung mit den besten Arbeiten steirischer Fotografen. Diese Ausstellung mit dem Titel „Menschenbilder“ wird am 16.März in Graz am Mariahilferplatz eröffnet und zieht dann im Laufes des Jahres durch viele steirische Gemeinden. Und was uns ganz besonders freut, dass auch wir dieses Jahr wieder mit einer Arbeit vertreten sind. Die Ausstellung befindet sich im Freien und ist für jeden rund um die Uhr zugänglich.


Nun zu unserer Aufnahme:
Ähnlich dem Fotopionier Charles Waldack, der als erster Fotograf 1866 Höhlen-Aufnahmen machte und dies in der über 600 km langen Mammut-Höhle im amerikanischen Bundesstaat Kentucky, so entstand unsere Aufnahme mit dem Titel “im Lichtschacht” in der Lurgrotte bei Semriach. Als Blitzlicht verwendete Charles Waldack damals, wie zu dieser Zeit üblich, metallisches Magnesium angereichert mit Schießpulver, was eine sehr explosive und gar nicht ungefährliche Mischung ergab. Im Gegensatz zu Charles Waldack verwenden wir heute über Funk getriggerte Systemblitze, aber ein bisschen angelehnt an das Pioniertum vor mehr als 150 Jahren, ist es auch bei uns metallisches Magnesium, das beim Blitzen zum Einsatz kommt, dieses jedoch eingebettet in die reine Sauerstoff-Atmosphäre großer Blitzbirnen mit Lichtströmen bis zu 150.000 Lumen pro Sekunde. Und so wie Charles Waldack von der unterirdischen Welt fasziniert war, sind auch wir seit je her von dieser Art der Fotografie im “lichtleeren Raum” begeistert. So freuen wir uns jedesmal sehr, wenn wir neben unserem klassischen fotografischem Business in Höhlen und historischen Bergwerken fotografieren können. Und so wie die Pioniere der Fotografie vor langer Zeit sich mit ihrem überdimensionalem Gepäck auf den Weg machten, rücken auch wir gleich einer Expedition aus, wenn es in die Unterwelt geht und obwohl Kameras in Summe kleiner geworden sind, sind unsere Gepäckstücke trotzdem um nichts geringer als das Expeditionsgepäck vor 150 Jahren.


Die Aufnahme entstand in einem 20 Meter tiefen Seitenschacht des Geisterschachtes, den wir mit Systemblitzen punktuell ausleuchteten und wodurch das Farbenspiel des Gesteins im Licht erst zur Geltung kam. Vor diesem aufgehellten Schacht – oder Lichtschacht – seilte sich unser “Model”, der Höhlenforscher Harald Polt, nachdem er zuvor Bohrhaken zur Seilsicherung angebracht hatte, in die Tiefe und ich begleitete ihn dabei mit der Kamera. Dieses Lichtspiel ließ uns dieser Aufnahme den Titel “im Lichtschacht” geben.


Damit dieses fotografische Projekt zustande kommen konnte, gilt unser ganz besonderer Dank dem Landesverein für Höhlenkunde in der Steiermark (www.lvhstmk.at) und dabei ganz besonders dem Höhlenforscher Harald Polt, der sich als “Model” zur Verfügung gestellt hatte, sowie dem Besitzer der Lurgrotte Semriach (www.lurgrotte.at) Andreas Schinnerl für die selbstlose Unterstützung.
 
Es würde uns ganz besonders freuen viele Freunde, Unterstützer und auch Kunden begrüßen zu dürfen.

Ort: Mariahilferplatz, Graz
Termin: Samstag, 16.März 2019, 11 Uhr

 

Inhalt und Foto: copyright by book-and-picture

Kellergewölbe von Dinkelsbühl

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: altes Farbenlager in einem mittelalterlichen Kellergewölbe in Dinkelsbühl, Mittelfranken


Die Deutsche Kleinstadt Dinkelsbühl mit ihren rund 12000 Einwohnern geht auf eine Gründung der Staufer zurück, die hier am Kreuzungspunkt zweier Handelswege eine Befestigungsanlage errichteten. Diese Befestigung dürfte so um 1130 entstanden sein, woraus sich im Laufe der Zeit die heutige Stadt entwickelte. Gelegen in Mittelfranken ist Dinkelsbühl heute noch von einer Stadtmauer umgeben, die den mittelalterlichen Stadtkern zur Gänze umschließt. Der südliche alte Stadtteil liegt leicht erhöht und trägt den Namen Gansberg. Ebenfalls dicht besiedelt, besteht dieser Gansberg aus Kalk und Sandstein und unter vielen der ursprünglich mittelalterlichen Häuser befinden sich ebenso alte Keller, die in der Vergangenheit als Eiskeller für die vielen kleinen Brauereien genutzt wurden. Während des 2.Weltkrieges wurden diese vielen privaten Keller untereinander verbunden und dienten als Luftschutzkeller. Dieses so entstandene System aus Kellern, Gewölben und Gängen ist heute noch begehbar und ermöglicht fast ein zur Gänze unterirdisches Fortbewegen in diesem südlichen Teil der mittelalterlichen Stadt.

 

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: “lost place” in einem mittelalterlichen Kellergewölbe in Dinkelsbühl, Mittelfranken


In einem der alten Keller befand sich ein Farbenlager, das heute einer farbigen Wüste gleicht. Häufen von Pulverfarben in den unterschiedlichsten Tönen, vermorschte Fässer, herumliegende Dauben, die die Fässer zusammenhielten, verrostete Metallbehälter, Flaschen und noch viele andere herumliegende Gegenstände geben ein Bild des besonderen Chaos und der Einzigartigkeit. Erst im Schein von Taschenlampen wird dieses farbige Durcheinander sichtbar und wer dieses unterirdische Reich betritt taucht in eine Welt des Besonderen ein, in ein Reich, das es nirgendwo in dieser Form so gibt.

 

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photographer: Marina & Arpad Kunzfeld
subject: Farbhäufen in einem mittelalterlichen Kellergewölbe in Dinkelsbühl, Mittelfranken


Wir sind in diese Keller gestiegen, um dieses Gewirr an Farben und Gegenstände fest zu halten, denn es gibt bislang keine richtigen Fotografien, die diese Besonderheiten zeigen. Gleich dem Fotografieren in Höhlen und Bergwerken geht es auch hier zur Sache und was der Lehm in den Höhlen ist, ist hier das überall gegenwärtige Farbpulver. Kombiniert mit Hautfeuchtigkeit ergibt es ein einzigartiges Farbgemisch, das nicht nur die Hände überzieht sondern auch die gesamte Ausrüstung. Systemblitze sind betroffen, Stative, die Kleidung und jede Ritze in technischem Gerät enthält Farbe und wenn man später reinigt, dann tut man das viele Male, so hartnäckig ist die Farbenpracht.

 

content and image: copyright by Marina & Arpad Kunzfeld

red power of nature

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photographer: Arpad Kunzfeld
subject: “Wurzelkraft von oben”, Horkbaue, Blei-Silber-Bergbau Großstübing, Steiermark / “red root power”, Hork adit, lead-silver mine nearby Großstübing, Styria


Eine Befahrung der alten Horkbaue bei Großstübing ist immer wieder ein Erlebnis. Schon der Einstieg ist eine Herausforderung, gilt es nicht eben in einen alten Stollen zu steigen, sondern sich fast senkrecht in die Tiefe abzuseilen. Und was die Natur dort im Reich der Dunkelheit zu bieten hat ist einfach einzigartig. Angefangen von Sinterbecken, Höhlenperlen, kleinen Tropfsteinen bis hin zu versinterten Verbrüchen und engen alten Förderstrecken.


Eine Besonderheit sind jedoch Wurzel-Enden, die in den oberflächennahen Bereichen des alten Bergbaues von der Stollendecke hängen. Hier haben Pflanzen ihre Wurzeln durch enge und lehmige Klüfte gezwängt, bis die Wurzelspitzen die Bergwerksstollen erreichten. Was wie Krabbenbeine aussieht sind fast 10 cm langen Luftwurzeln, die im von hinten gerichteten Licht in oranger bis roter Farbe leuchten und an deren Wurzelspitzen funkelnde Wasser-Tröpfchen blitzen.

 

content and image: copyright by Arpad Kunzfeld

Making of zum Bild

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photographer: Arpad Kunzfeld
subject: “1 Klafter hoch”, Hertha-Stollen, Silber-Bergbau Großstübing / “6 feet high”, Hertha adit, ancient silver mine Großstübing, Styria


„Menschenbilder 2017“ – die diesjährige Leistungsshow der steirischen Berufsfotografen – läuft gerade am Grazer Mariahilferplatz und wir sind mit dem Bild „1 Klafter hoch“ dabei. Wie ist nun dieses Bild entstanden? Hier ist das “Making of”:


Das Foto mit dem Titel „1 Klafter hoch“ wurde in einem alten und bereits lange in Vergessenheit geratenen Bergwerksstollen des ehemaligen Silber-Bergbaues rund um Großstübing aufgenommen. Eine Location, die für viele Fotografen ungewöhnlich, wenn nicht sogar unmöglich erscheint. Absolute Dunkelheit, Schmutz, Feuchtigkeit, allerlei Getier, schmale und niedrige Gänge, teilweise kriechende Fortbewegung sind die “Widrigkeiten”, die es hier zu bewältigen gilt. Hier gelten die Gesetze der Studio-Fotografie nur in ihren Ansätzen, hier sind Lichtstimmungen das ein und alles, hier wird fast immer mit Shift-Optiken gearbeitet, hier gibt es erweiterte physikalische Gesetze. Und um genau solche Projekte erfolgreich umsetzen zu können erfordert es neben dem Beherrschen der fotografischen Technik in der absoluten Dunkelheit eine gute Planung, strukturiertes Arbeiten und eine sehr große Portion an Liebe und Wissen über diese Art von Unterwelt, innerem Feuer und Freude an der Fotografie.


Bereits die Vorarbeiten, damit überhaupt fotografiert werden konnte waren abenteuerlich. Es begann damit, dass das einstige Mundloch des Stollens fast zur Gänze mit Erdreich und Steinen verfüllt war und der Zugang in den Stollen unmöglich erschien. Es bedurfte daher zuerst einiges an Grabarbeiten, um den Eingang soweit frei zu legen, dass wenigstens ein Kriechen in das Stollensystem möglich wurde. Das bedeutete aber auch gleichzeitig, dass die gesamte fotografische Ausrüstung kriechend in den Stollen befördert werden musste. Und das war nicht wenig. Kamera, Objektive, mehrere Stative und Systemblitze, Funksteuerungen, Lichtformer und noch vieles mehr mussten unversehrt und sauber durch ein 50 cm mal 50 cm großes Loch im Waldboden geschafft werden. Und da ich diese Aufnahme ohne jegliche Assistenz durchführte, musste ich alles über unwegsames Gelände zum Stolleneingang transportieren, dort graben, um die Öffnung freizulegen, alles in das Stollensystem bringen und später noch als Model vor der eigenen Kamera agieren und als Fotograf hinter der Kamera arbeiten.


Diese ersten Arbeiten sind schweißtreibend und erfordern bei sehr engen Löchern vielleicht etwas an Mut, jedenfalls an Klaustrophobie sollte man nicht gerade leiden. Die nächste Herausforderung war es die richtige Motivposition zu finden. Hier kam mir die Tatsache zu Hilfe, dass ich diesen Stollen aus vergangenen Zeiten kannte, ich dort vor Jahren bereits fotografierte und daher bereits vorab planen und “scribbeln” konnte. Trotzdem sah es dann in der Realität etwas anders aus und da bedurfte es der Fähigkeit sich fertige Bilder vor dem geistigen Auge vorstellen zu können und die Kamera gleichsam im Blindflug in dem schmalen Lichtkegel einer Stirnlampe auszurichten. Und ab nun wurde es richtig interessant: Es galt nämlich Licht zu setzen und das Selbst-Einrichten vor der Kamera ohne einem Einstell-Licht und ohne echten Anhaltspunkten zu bewerkstelligen, denn die absolute Dunkelheit in einem Stollen oder einer Höhle ist schwärzer als die Nacht. Es bedarf viel an Erfahrung, einer speziellen Technik um sich Linien zum Ausrichten zu merken, viel an Improvisation und keine Scheu vor der Dunkelheit und dem scheinbar unwirtlichen Umfeld. Wie ein Schirennläufer sich den Kurs einprägt, der Balletttänzer seine Chorographie lernt ist es hier notwendig sich an Hand von Steinen am Boden Ausrichtungslinien sehr exakt zu merken. Denn nur kleine Abweichungen von dieser idealen Linie bewirken belichtungstechnische Fehler, vor allem dann, wenn Systemblitze gegen die Kamera gerichtet sind. Es bedeutete aber Reihen von Aufnahmeserien mit vielen voneinander ein klein wenig sich unterscheidenden Körperpositionen, um Lichtsäume und Lichtersterne optimal zu platzieren. Die Kamera immer über die Funkfernsteuerung ausgelöst, warm werdende Akkus von mehrfach gekoppelten Systemblitzen, tropfendes Wasser von der Decke, hin und her laufen zwischen dem eigenen Model-Standort und der Kamera zur Bildkontrolle, Morast unter den Fußsohlen, mit Lehm verschmierte Finger, die Kamera tunlichst nicht zu berühren sind die kleinen und bei der Untertagefotografie normalen Herausforderungen. Zu aller letzt galt es alles zusammen zu packen, nichts in der Dunkelheit zu vergessen, denn fotografische Ausrüstung ist dafür auf Grund der meistens schwarzen Farbe prädestiniert, alles wieder durch das enge Loch zu pressen und sich anschließend mit Freude an die Ausarbeitung der Bilder zu machen.


Zum Abschluss noch eine Zeile zum Titel: der Name „1 Klafter hoch“ geht auf des alte Längenmaß des Klafters zurück. Ein Längenmaß dass zur Zeit einer Maria Theresia bei uns gebräuchlich war und nach unserem heutigen metrischen System 1,89 Meter betrug. Die meisten dieser aus dem frühen 18.Jahrhundert stammenden Stollen wurden „1 Klafter“ hoch gebaut, sodass ein Bergmann aufrecht in einem Stollen stehen konnte. Auf der Aufnahme lässt sich dieses historische Stollen-Profil noch gut erkennen.

 

content and image: copyright by Arpad Kunzfeld

Im lichtleeren Raum

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photographer: Arpad Kunzfeld
subject: Unterer Carolus-Stollen, Silber-Bergbau bei Großstübing / Lower Carolus adit, silver-mine Großstübing, Styria

 

Untertage-Fotografie bei der man sowohl hinter der Kamera, als auch vor der Kamera steht ist eine besondere Herausforderung, vor allem dann, wenn man noch gleichzeitig auch als Assistent fungiert. Oder mit anderen Worten ausgedrückt, wenn man zur Gänze allein arbeitet. Einmal muss man massenhaft Ausrüstung über lange Strecken transportieren, denn die alten Stollen sind ja nicht neben einem Parkplatz sondern sind irgendwo in steilen und bewaldeten Gräben oder anderen unzugänglichen Gebieten. Und da sind es gleich einmal 15 bis 20 “Kilo”, die am Rücken hängen – neben der Kamera, Objektive, mehrere Stative, ein Duzend Systemblitze, Massen an Akkus, Fernsteuerungen, diverse Lampen von Karbid bis LED, Höhlenbekleidung und Entfernungsmessgeräte. Zum anderen ist es dann die Enge und Dunkelheit eines mittelalterlichen Bergwerks, die eine weitere Hürde darstellt – ein schmutziges, feuchtes, aber auch inspirierendes und abenteuerliches Foto-Studio auf Zeit. Es gibt nur den mitgebrachten Strom in Form von Akkus, Wasser kann über Knie hoch stehen, Wasser tropft auch von der Decke oder Firste, Stiefel und Stativbeine versinken im Morast, ein sauberer, weißer Reflektor wird in Minuten zu einer braunen Fläche, der Licht schluckt anstelle dieses zu reflektieren. Und wenn alles Licht abgedreht ist, dann sind auch alle Photonen dahin – es herrscht absolute Dunkelheit – “lichtleerer Raum”. In dieser Umgebung gilt es ein Motiv zu erfassen, eine Kamera auszurichten, auf einen in der Dunkelheit verborgenen Punkt scharf zu stellen, Licht zu setzen und noch als Model zu agieren. Man erspart sich zwar ein Model Release unterschreiben zu lassen, dafür erfordert es Einfallsreichtum in der eigenen Position vor der Kamera. Es gilt sich imaginäre Punkte und Linien zu merken, Systemblitze mit dem Körper geschickt abzudecken, trotzdem aber so viel Licht vorbei zu lassen, dass das mittelalterliche Flair erhalten bleibt. Man darf keine Angst vor Spinnen und Fledermäusen haben, auch nicht schmutzig zu werden, man muss nur die “Gerätschaft” schützen, unnötige Objektivwechsel vermeiden und es muss Spaß machen unter diesen erschwerten Bedingungen zu arbeiten.

Im Raum Großstübing nördlich von Graz gibt es noch eine relative große Anzahl von alten Bergwerksstollen, die meistens aus der Periode der Maria-Theresianischen-Rohstofferhebung stammen. Die meisten Stollen wurden um das Jahr 1750 angeschlagen und wurden bis in das frühe 19.Jahrhundert hinein betrieben. Meistens noch von Hand vorgetrieben führten diese Stollen teilweise um die 100 Meter und tiefer in den Berg mit dem Ziel Blei und Silber abzubauen. Einer dieser Stollen ist der Untere Carolus-Stollen bei Großstübing. Nur mehr wenige kennen seine Lage – so versteckt ist er im steilen waldigen Gelände – und ganz selten, dass ihn jemand befährt. Teile stehen unter Wasser, es tropft an allen Ecken und Enden und wer hier fotografiert muss vor allem seine Ausrüstung schützen. Lichtführung ist hier das besondere Thema, die  richtige Mischung, die die Stimmung “Bergbau” vermittelt. Es ist generell feucht und Stollenwände schlucken daher massiv viel Licht, sodass herkömmliche errechnete Blendenwerte meist um 3 oder sogar 4 Werte daneben liegen. Hier gilt es Systemblitze zu koppeln oder große Blitzbirnen einzusetzten. Hier gilt es zu improvisiren, zu probieren, hier ist nichts alltäglich. Selbst das Festlegen eines Bildausschnittes ist nicht einfach Kamera ausrichten, denn es ist absolut schwarze Nacht rundherum – lichtleerer Raum.

 

content and image: copyright by Arpad Kunzfeld

Tropfsteine stehen senkrecht

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photographer: Arpad Kunzfeld
subject: “Riese”, Lurgrotte Semriach mit CANON 17mm Tilt-Shift Optik / “The giant”, Lurgrotte Semriach using CANON 17mm Tilt-Shift lens

 

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photographer: Arpad Kunzfeld
subject: “Piniengruppe”, Lurgrotte Semriach mit CANON 24mm Tilt-Shift Optik / “Pines group”, Lurgrotte Semriach using CANON 24mm Tilt-Shift lens

 

Die Lurgrotte bei Semriach ist eine unserer schönsten steirischen Tropfsteinhöhlen. Als aktive Wasserhöhle ist sie vor allem während richtiger Hochwasserperioden nicht ungefährlich, da ein sehr großer Teil der Entwässerung des Semriacher Beckens durch das Höhlensystem läuft und plötzlich ungeheure Wassermengen durch die Höhle fließen können. Als beste Zeit für Aufnahmen sind die Trockenperioden im Winter, da zu diesen Zeiten die Höhle trocken ist und der reduzierte Führungsbetrieb auch nicht gestört wird. Im Dezember hatten wir die Möglichkeit für den Betreiber der Semriacher Lurgrotte die Highlights aus dem klassischen Führungsbereich zu fotografieren. Wie bei einer Expedition aufgeplant, mit schwerem Gepäck am Rücken, verbrachten wir viele schöne Stunden in der Höhle. Dabei galt es die teilweise beeindruckend hohen Tropfsteine, wie beispielsweise den “Riesen” zu fotografieren. Wer hier ohne Shift-Objektive ausgerüstet ist, der hat das Problem die tatsächliche Steilheit, die Mächtigkeit und die Höhe der Tropfsteine nicht abzubilden zu können, denn sie scheinen alle nach hinten zu kippen. Zwar bieten Programme wie Photoshop perspektivische Korrekturmöglichkeiten an, jedoch geht dies immer zu Lasten der Bildauflösung und für Aufnahmen, die später auf Plakaten gedruckt werden sollen, ist diese Variante eine enorme Einschränkung. Die von uns am häufigsten eingesetzten Brennweiten sind dabei 17 mm und 24 mm – beide als Tilt-Shift Optik ausgeführt.

 

content and image: copyright by Arpad Kunzfeld

Horkbaue

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photographer: Arpad Kunzfeld
subject: Förderstrecke der Horkbaue bei Großstübing / Houling tunnel, Hork-mine, Großstübing, Styria

 

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photographer: Arpad Kunzfeld
subject: Sinterbildungen in den Horkbauen bei Großstübing / Sinter, Hork-mine, Großstübing, Styria

 

In der Umgebung von Großstübing gibt es eine Reihe von alten Bergbau-Stollen, die viele hunderte Jahre alt sind. Ein solcher Bergbau befand sich unterhalb des ehemaligen Gehöftes Hork. Sein Mundloch ist total verbrochen, jedoch gibt es noch einen versteckten gesenkartigen Zugang, der in die ehemalige Silbergrube führt. Enge alte Strecken, sodass gerade ein Mann Platz hat, dunkle Schrägschächte, seltsame Sinterbildungen und teilweise Verbrüche machen es schwer die Fotoausrüstung in diese Unterwelt zu bringen. Als Belohnung gibt es dafür außergewöhnliche Aufnahmen.

 

content and image: copyright by Arpad Kunzfeld