Tropfstein

In der Enge einer Kluft

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photographer: Arpad Kunzfeld
subject: Tropfstein-Kluft, Blei-Silber-Bergbau bei Deutsch-Feistritz / dripstone fissure, ancient led and silver mine near Deutsch-Feistritz, Styria

 

So manches altes Erzlager der Blei-Silber-Bergwerke im Bergland von Graz wird von schmalen Klüften durchzogen und ganz besonders bemerkenswerte Klüfte lassen sich in einem alten Stollen des ehemaligen Bergbaues bei Deutsch-Feistritz bewundern. Die knapp 20 cm breiten Felsspalten sind viele Meter tief und verlaufen geheimnisvoll in den Berg hinein. Obwohl keine Tropfsteinhöhle, sondern ein Bergwerksstollen, sind diese Klüfte mit Tropfsteinen besetzt, die in den engen Spalten gerade so viel Platz gefunden haben, dass sie wachsen konnten. Die leicht durchscheinenden Tropfsteine sind mit einer gelblichen Lehmschicht überzogen und leuchten wunderbar in einer von hinten platzierten Lichtquelle und die dabei entstehenden Lichtsäume lassen die Tropfsteine sich vom Hintergrund deutlich abheben.


Aber wie diese „Lichtquellen“ – die Blitze in die dunkle Kluft bringen, sie richtig zu positionieren und sie auch richtig in Bezug auf Leistung einzustellen? Da die Klüfte nirgendwo höher als 20 cm sind, die Tropfsteine im hintersten Teil der Kluft hängen und niemand in einen so engen Spalt zu kriechen vermag, kann nur mit Verlängerungsstangen gearbeitet werden, an deren Ende ein oder mehrere Systemblitze montiert werden. Es bedarf immer Einiges an Geduld, bis die Blitzleistung richtig gesetzt ist, bis der richtige Abstrahlwinkel der Reflektoren eingestellt ist und bis die richtigen Positionen gefunden sind. Hier findet kein Belichtungsmesser mehr Verwendung, hier muss probiert werden und auf Erfahrung zurückgegriffen werden. Für jede Änderung müssen die Blitze wieder herausgeholt werden und dabei verhaken sie sich manchmal an den Kluftwänden. Dann gilt es ruhig zu bleiben, nicht zu reißen, nicht zu ziehen, nicht zu drücken, sondern gleich einem Mikado-Spieler mit viel Gefühl und ruhiger Hand ein bis zu 4 Meter langes Aluminium-U-Profil mit einem Systemblitz samt Funkfernsteuerung an seinem Ende zu jonglieren. Sind die neuen Einstellungen gesetzt, dann heißt es zu hoffen die ursprünglichen Positionen wieder zu finden. Erschwerend kommt dabei noch die Dunkelheit hinzu, denn Helmlicht oder auch andere starke Lichtquellen leuchten meistens genau dort nicht hin, wo man sie benötigen würde. Viele der Felsspalten verlaufen steil nach oben, was Gelenkigkeit während der Aufnahme erfordert. Entweder am morastigen Boden liegend, mit verdrehtem Kopf kniend, oder in einer anderen ungewöhnlichen Position verharrend wird dann die Kamera für den finalen Schuss vorbereitet.

 

content and image: copyright by Arpad Kunzfeld

Tropfsteine stehen senkrecht

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photographer: Arpad Kunzfeld
subject: “Riese”, Lurgrotte Semriach mit CANON 17mm Tilt-Shift Optik / “The giant”, Lurgrotte Semriach using CANON 17mm Tilt-Shift lens

 

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photographer: Arpad Kunzfeld
subject: “Piniengruppe”, Lurgrotte Semriach mit CANON 24mm Tilt-Shift Optik / “Pines group”, Lurgrotte Semriach using CANON 24mm Tilt-Shift lens

 

Die Lurgrotte bei Semriach ist eine unserer schönsten steirischen Tropfsteinhöhlen. Als aktive Wasserhöhle ist sie vor allem während richtiger Hochwasserperioden nicht ungefährlich, da ein sehr großer Teil der Entwässerung des Semriacher Beckens durch das Höhlensystem läuft und plötzlich ungeheure Wassermengen durch die Höhle fließen können. Als beste Zeit für Aufnahmen sind die Trockenperioden im Winter, da zu diesen Zeiten die Höhle trocken ist und der reduzierte Führungsbetrieb auch nicht gestört wird. Im Dezember hatten wir die Möglichkeit für den Betreiber der Semriacher Lurgrotte die Highlights aus dem klassischen Führungsbereich zu fotografieren. Wie bei einer Expedition aufgeplant, mit schwerem Gepäck am Rücken, verbrachten wir viele schöne Stunden in der Höhle. Dabei galt es die teilweise beeindruckend hohen Tropfsteine, wie beispielsweise den “Riesen” zu fotografieren. Wer hier ohne Shift-Objektive ausgerüstet ist, der hat das Problem die tatsächliche Steilheit, die Mächtigkeit und die Höhe der Tropfsteine nicht abzubilden zu können, denn sie scheinen alle nach hinten zu kippen. Zwar bieten Programme wie Photoshop perspektivische Korrekturmöglichkeiten an, jedoch geht dies immer zu Lasten der Bildauflösung und für Aufnahmen, die später auf Plakaten gedruckt werden sollen, ist diese Variante eine enorme Einschränkung. Die von uns am häufigsten eingesetzten Brennweiten sind dabei 17 mm und 24 mm – beide als Tilt-Shift Optik ausgeführt.

 

content and image: copyright by Arpad Kunzfeld